Förderung Geförderte Vorhaben Volumenabhängige Liquiditätsmaße und Preisimplikationen im Anleihemarkt

Volumenabhängige Liquiditätsmaße und Preisimplikationen im Anleihemarkt

Die zurückliegende Finanzkrise hat gezeigt, dass eine starke Reduzierung der Liquidität von Anleihen zu hohen Wertverlusten führen kann.

Aufgrund der Bedeutung der Anleihemärkte für die Finanzierung von Staaten und Unternehmen ist das Funktionieren dieser Märkte aus gesellschaftlicher Sicht wichtig. Ein entscheidendes Kriterium hierbei ist die Liquidität der Anleihen. Sie gibt an, wie einfach (beziehungsweise zu welchen Kosten) Anleihen zwischen verschiedenen Marktteilnehmern gehandelt werden können. Gerade die zurückliegende Finanzkrise hat gezeigt, dass ein Austrocknen der Liquidität zu hohen Wertverlusten führen kann. Eine geringere Liquidität bei ansonsten gleichen Eigenschaften führt zu einem niedrigeren Preis der Anleihe. Dementsprechend schwankt der Preis, wenn sich die Liquidität ändert. Ziel des Vorhabens ist es, das Risiko sich ändernder Liquidität zu quantifizieren.
Im ersten Teil des Vorhabens soll dazu ein neuer Ansatz zur Messung von Liquidität entwickelt werden, der die Spezifika des Anleihemarktes berücksichtigt. Eine entscheidende – von existierenden Ansätzen vernachlässigte – Eigenschaft ist dabei die starke Abhängigkeit der Transaktionskosten vom Volumen der Transaktion. So zeigen Ergebnisse für den US-Anleihenmarkt, dass die Transaktionskosten für hohe Volumina prozentual geringer sind als für niedrige Volumina. Die Verwendung klassischer Liquiditätsmaße führt dabei zu einem Zielkonflikt. Entweder werden nur sehr wenige, in ihrem Volumen vergleichbare Handelsgeschäfte für die Berechnung der Liquiditätsmaße berücksichtigt und ein großer Teil der Informationen geht verloren. Alternativ werden Transaktionen unterschiedlicher Volumina verwendet, die aber letztendlich bezüglich ihrer Transaktionskosten nicht vergleichbar sind. Der zu entwickelnde Ansatz zur Liquiditätsmessung soll diesen Trade-Off auflösen und eine Abhängigkeit der Transaktionskosten vom Volumen explizit berücksichtigen. Die neu entwickelten Liquiditätsmaße sollen sodann hinsichtlich verschiedener Eigenschaften mit den ohne Volumenkorrektur entwickelten Ursprungsmaßen verglichen werden.
Auf Basis der neu entwickelten volumenabhängigen Maße soll im zweiten Teil des Projekts die Abhängigkeit des Preises einer Anleihe von ihrer Liquidität neu bewertet werden. Zunächst wird hierzu ein integriertes Asset-Pricing-Framework zur Bewertung von Liquiditätsrisiken spezifiziert und implementiert. Die neu entwickelte Klasse an Liquiditätsmaßen wird anschließend in das vorhandene Framework integriert. In der Literatur werden zur Analyse des Zusammenhangs zwischen dem Preis einer Anleihe und ihrer Liquidität oftmals nur einzelne Liquiditätsmaße verwendet. Daher ist zu erwarten, dass sich durch die Anwendung des neuen Ansatzes zur Liquiditätsmessung und der damit verbundenen Abdeckung weiterer Liquiditätskomponenten neue Erkenntnisse hinsichtlich dieser für das Risikomanagement zentralen Fragestellung ergeben.
Die Ergebnisse werden in einem Leitfaden, der das beste Verfahren zur Liquiditätsmessung inklusive der dazu notwendigen Algorithmen enthält, zusammengeführt. Die Empfehlungen sollen dabei anhand typischer Anwendungsfälle für unterschiedliche Zielgruppen wie zum Beispiel Banken, Versicherungen, Pensions- oder Investmentfonds, aber auch Regulierungsbehörden oder Zentralbanken erfolgen.