Text & Textlichkeit
Der Arbeitskreis „Text und Textlichkeit“ unter der Leitung von Andreas Kablitz, Christoph Markschies und Peter Strohschneider bestand über einen Zeitraum von fast fünf Jahren (01.07.2017 bis 31.03.2022).
Den Ausgangspunkt des Arbeitskreises bildete die Beobachtung, dass sich seit den 1990er Jahren mehrere gravierende Verschiebungen in Bezug auf das Thema Text und Textlichkeit konstatieren lassen. Aus forschungsgeschichtlicher Perspektive etwa lässt sich feststellen, dass die Kategorie des Textes in den Geistes- und Kulturwissenschaften einen erheblichen Bedeutungsverlust erfahren hat. So macht das Bild dem Text im Zuge des iconic turn als privilegiertes Forschungsobjekt starke Konkurrenz. Aus lebensweltlicher Perspektive lassen sich überdies in vielen gesellschaftlichen, politischen und religiösen Zusammenhängen veränderte Umgangsweisen mit Texten identifizieren, die Anlass dazu geben, über Status und Funktion von Texten neu nachzudenken. Im Umfeld neofundamentalistischer christlicher oder islamischer Bewegungen wird etwa immer lautstärker auf einem absolut ein-eindeutigen, von Gott allein normierten und daher dem „Streit der Interpretationen“ entzogenen Wortlaut heiliger Texte beharrt. Dabei spielen die „sozialen Medien“ für die Verbreitung solcher Wortlautfundamentalismen eine ganz zentrale Rolle.
Aus den konstatierten Verschiebungen resultierten eine Vielzahl an Forschungsfragen, denen sich der Arbeitskreis unter Einbeziehung der Literatur- und Medienwissenschaft, der Sozial- und Geschichtswissenschaft sowie der Theologie und Rechtswissenschaft historisch wie systematisch widmete. Elementar war für ihn dabei insbesondere die Frage, welche institutionellen, sozialen und kulturellen Faktoren zu berücksichtigen sind, um sowohl die Genese als auch den Verlust der normativen Geltung von Texten adäquat beschreiben und verstehen zu können. Eng damit verbunden war zudem die Frage, welche rhetorischen Verfahren zum Einsatz kommen, um Texten eine verbindliche Autorität zuzuweisen bzw. abzusprechen. Darüber hinaus unterzog der Arbeitskreis die im bildwissenschaftlichen Forschungsdiskurs vorherrschende Überzeugung, wonach Bilder für sich einen von der Sprache vollkommen unabhängigen Modus der Bedeutungskonstitution reklamieren können, unter verschiedenen Blickwinkeln einer kritischen Prüfung.
Indem sich der Arbeitskreis mit diesen Forschungsfeldern auseinandersetzte, leistete er nicht nur einen grundlagentheoretischen Beitrag für die sich mit dem Phänomen „Text“ beschäftigenden Wissenschaftsdisziplinen. Er stellte sich ebenfalls den Herausforderungen, denen sich Wissenschaft und Gesellschaft insbesondere infolge der geschilderten lebensweltlichen Verschiebungen verstärkt gegenübersehen – etwa die wachsende Präsenz populistischer Redeweisen im Bereich des Politischen oder die in der gegenwärtigen Klimadebatte zu verzeichnenden Versuche einer grundsätzlichen Delegitimierung wissenschaftlich generierter Erkenntnisse. Das Forschungsinteresse des Arbeitskreises war insofern von größter tagesaktueller Bedeutung und unterstrich damit nicht zuletzt die besondere gesellschaftliche Relevanz der an dem Arbeitskreis beteiligten Disziplinen.
Der Arbeitskreis „Text und Textlichkeit“ blickt dankbar auf die Jahre der Förderung durch die Fritz Thyssen Stiftung zurück. Dieses ungewöhnliche Format, die gute finanzielle Ausstattung, die Betreuung durch die zuständige Referentin, die durch die Stiftung bereitgestellte Infrastruktur und nicht zuletzt die Unterstützung durch die erfahrene und umsichtige Veranstaltungsorganisation machten es möglich, dass eine Gruppe renommierter Wissenschaftler aus unterschiedlichen Bereichen – ergänzt um einige Experten von außerhalb – über mehrere Jahre kontinuierlich und in einer Intensität, die sonst nicht möglich gewesen wäre, das Phänomen des Textes als zentraler Baustein von Kultur unter verschiedenen Fragestellungen beleuchten konnte.
Es ist im Rahmen der Tätigkeit des Arbeitskreises vor allem geglückt, das Phänomen ‚Text‘ als den Gegenstand einer Forschung zu etablieren, der die überkommenen Grenzen zwischen den herkömmlichen Disziplinen durchkreuzt. Dabei handelt es sich um mehr als eine interdisziplinäre Forschung im traditionellen Sinn. Vielmehr vermag der Text ein Forschungsfeld zu beschreiben, das die Beziehung zwischen den einzelnen Fächern neu zu bestimmen erlaubt. Das Phänomen ‚Text‘ erweist sich in diesem Sinne als Nukleus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive von herausragendem Interesse, insoweit der Text selbst als ein wesentliches Medium der Konstitution von Kultur erscheint. Wenn es der Arbeitskreis „Text und Textlichkeit“ ermöglicht hat, dieses heuristische Potential zu entwickeln, so bleibt es künftiger Forschungsarbeit aufgetragen, dieses Potential weiterhin auszuschöpfen.
Wesentliche Fragestellungen des Arbeitskreises wurden in neun Kolloquien diskutiert und vorangebracht. Die Ergebnisse der Veranstaltungen sind in der Reihe „Text und Textlichkeit“ im Verlag De Gruyter Brill publiziert:
Band 1: Andreas Kablitz, Christoph Markschies, Peter Strohschneider (Hrsg.), Prädikation und Bedeutung
https://www.degruyterbrill.com/de/document/doi/10.1515/9783110715514/html
Band 2: Andreas Kablitz, Christoph Markschies, Peter Strohschneider (Hrsg.), Hermeneutik unter Verdacht
https://www.degruyterbrill.com/de/document/doi/10.1515/9783110698084/html
Band 3: Andreas Kablitz, Christoph Markschies, Peter Strohschneider (Hrsg.), Der Text und seine Kultur(en)
https://www.degruyterbrill.com/de/document/doi/10.1515/9783111018713/html
Band 4: Andreas Kablitz, Ludwig Jäger (Hrsg.), Saussure et l’épistémè structuraliste. Saussure und die strukturalistische Episteme
https://www.degruyterbrill.com/de/document/doi/10.1515/9783111018713/html
Band 5: Arbogast Schmitt, Die Wege der (europäischen) Philosophie in die Moderne. Über eine nötige Korrektur des Wissenstransfers in den Philosophiegeschichten
https://www.degruyterbrill.com/de/document/doi/10.1515/9783111551616/html
Band 6: Christoph Markschies, Peter Strohschneider (Hrsg.), Analoge und digitale Texte – Methoden und Institutionen
https://www.degruyterbrill.com/de/document/doi/10.1515/9783112224724/html
Hinzu kommt ein Working Paper: Andreas Kablitz, Die Sprachlichkeit des Textes
https://www.fritz-thyssen-stiftung.de/arbeitskreise/text-und-textlichkeit/downloads/
Mitglieder des Arbeitskreises waren:
- Maximilian Benz
- Georg Braungart
- Andreas Kablitz
- Mark Halawa-Sarholz
- Irmela Hijiya-Kirschnereit
- Klaus W. Hempfer
- Ludwig Jäger
- Michael Lackner
- Hanna Liss
- Christoph Markschies
- Stefan Maul
- Christoph Möllers
- Simona Oberto
- Claus Pias
- Arbogast Schmitt
- Erhard Schüttpelz
- Hans-Georg Soeffner
- Barbara Stollberg-Rilinger
- Hannelore Rose
- Magnus Striet
- Peter Stroschneider
- Hans Vorländer
Veranstaltungen des Arbeitskreises:
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23.10.2017: Eröffnungsveranstaltung des Arbeitskreises „Text und Textlichkeit“
Öffentlicher Abendvortrag von Peter Strohschneider (Ludwig-Maximilians-Universität München/Deutsche Forschungsgemeinschaft) zum Thema „Der Text des Populismus“.
Populistische Politiken überspringen die „Grenzen der Gemeinschaft“ (Helmuth Plessner) und suchen deren kompakte Konsoziationsformen auf die höchst ausdifferenzierte moderne Gesellschaft überhaupt auszudehen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Textstrategien einer phantasmatischen Unmittelbarkeit, wie die Digitalschriftlichkeit der (a)sozialen Medien sie ermöglicht. Der populistische „war on media“ und gegen die sogenannte „Lügenpresse“ erweist sich von daher – anders als die Rede vom „postfaktischen Zeitalter“ annimmt – nicht als Angriff auf die Unterscheidbarkeit von Wahrheit und Lüge, sondern vielmehr als Angriff auf die Indirektheit, Vermitteltheit und Vorbehaltlichkeit jener Gesellschaftsverhältnisse der „Gutenberg-Galaxis“, als deren Ordnungsform die moderne Demokratie sich herausgebildet hatte. Der Streit um Populismus einerseits, pluralistische Gesellschaft und konstitutionelle Demokratie andererseits lässt sich insofern auch als Konflikt zweier Paradigmen von Textlichkeit beschreiben.
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02.-03.03.2018: Workshop „Textstruktur und Textgeltung“ (nicht-öffentlich)
Inwieweit hängt die spezifische Autorität von Texten mit ihrer jeweiligen Struktur zusammen? Welche rhetorischen Verfahren kommen zum Einsatz, um einen normativen Gehalt von Texten zu etablieren? Wie genau tragen institutionelle Faktoren zur Autorisierung und Kanonisierung von Texten bei? Und welche kulturellen, medialen und sozialen Aspekte liegen dem Autoritätsverlust von kanonisierten Texten bzw. etablierten textuellen Praktiken zugrunde?
Diese Fragen bilden den thematischen Fokus des ersten Workshops des im Oktober 2017 von der Fritz Thyssen Stiftung neu etablierten Arbeitskreises zum Thema „Text und Textlichkeit“ unter der Leitung von Prof. Andreas Kablitz (Lehrstuhl für Romanische Philologie und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Universität zu Köln), Prof. Christoph Markschies (Lehrstuhl für Ältere Kirchengeschichte, Humboldt-Universität zu Berlin) und Peter Strohschneider (Lehrstuhl für Germanistische Mediävistik, Ludwig-Maximilians-Universität München). Dem interdisziplinären Charakter dieses Arbeitskreises folgend soll der besondere Zusammenhang zwischen Fragen der Textstruktur und solchen der Textgeltung ausdrücklich unter Einbeziehung verschiedenster Fächerperspektiven untersucht werden. Im Vordergrund stehen Beiträge, die sich mit den besonderen Autorisierungsverfahren und Geltungsansprüchen von juristischen, religiösen und poetischen Texten befassen. Neben den Dimensionen der Produktion und Rezeption solcher Texte werden dabei auch die institutionellen Zusammenhänge erörtert, die sowohl bei der Sicherung als auch bei der Negation von Textgeltungsansprüchen zum Tragen kommen.
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15.-16.11.2018: Öffentliches Kolloquium „Prädikation und Bedeutung“
Zwei komplementäre konzeptuelle Verschiebungen zählen zu den Ursachen, die während der letzten Jahrzehnte zum Geltungsverlust des sprachlichen Textes als des einst zentralen Forschungsgegenstands der Geistes- und Kulturwissenschaften geführt haben. Da ist zunächst die Metaphorisierung des Textes, etwa im Konzept der „Kultur als Text“. Darüber hinaus tragen Ansprüche anderer Wissenschaften auf eigenständige und vor allem sprachunabhängige Verfahren der Generierung von Bedeutung zu dieser Tendenz bei, insbesondere in der Bildwissenschaft.
Angesichts dieser Situation scheint es angebracht, nach den spezifischen Verfahren wie Leistungen sprachlicher Bedeutungsbildung zu fragen. Das Kolloquium möchte deshalb das Phänomen der Prädikation und die in ihr steckende Leistung sprachlicher Konstitution von Sinn – also die Bedeutung – zum Ausgangspunkt einer Reflexion machen, die nach der Reichweite des Zusammenhangs zwischen beiden Phänomenen in unterschiedlichen Wissenschaften fragt.
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11.-12.07.2019: Öffentliches Kolloquium „Hermeneutik unter Verdacht“
Nachdem die Hermeneutik lange Zeit als geisteswissenschaftliche Schlüsseldisziplin galt, hat sie inzwischen in zahlreichen Fachgebieten teilweise massiv an Bedeutung verloren. Nicht wenige verbinden mit ihr einen rigiden Intellektualismus, dem insbesondere für die eminent sinnliche Dimension ästhetischer Phänomene jegliches Feingefühl fehlt. Hinzu kommt, dass selbst in klassischen Textwissenschaften wie der Literaturwissenschaft oder Theologie zunehmend von digitalen Analysemethoden Gebrauch gemacht wird, die mit der traditionellen hermeneutischen Auslegung von Texten kaum noch etwas gemein haben.
Entwicklungen wie diese werfen die Frage auf, welchen Stellenwert die Hermeneutik im 21. Jahrhundert noch für sich geltend machen kann. Ist das „Paradigma der Interpretation“ tatsächlich an sein Ende gelangt, wie verstärkt zu hören ist? Oder zeugen die aktuellen Debatten über „alternative Fakten“, „Big Data“ oder das „Ende der Postmoderne“ nicht im Gegenteil von einer anhaltenden Aktualität und Notwendigkeit der Hermeneutik?
Das Kolloquium diskutiert derlei Fragen aus der Perspektive der Literatur- und Rechtswissenschaft, der Philosophie und Theologie sowie der Sozial- und Geschichtswissenschaft. Verhandelt werden dabei sowohl kritische Positionen als auch Ansätze, die der Hermeneutik weiterhin einen zentralen Stellenwert beimessen.
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14.11.2019: Kolloquium „Der Text und seine Kultur(en)“ mit öffentlichem Abendvortrag
„Der Text und seine Kultur(en)“ steht im Zentrum des 5. Kolloquiums des Arbeitskreises „Text und Textlichkeit“ der Fritz Thyssen Stiftung. Diskutiert wird im arbeitskreisinternen Rahmen aus vergleichender Perspektive der Status von Textpraktiken in unterschiedlichen Kulturen. Den öffentlichen Abendvortrag hält Professor Michael Lackner (Sinologie/Erlangen-Nürnberg) zum Thema „Den Text wie eine Frucht verspeisen. Zhu Xi (1130–1200) über das rechte Lesen“.
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12.-13.11.2020: Kolloquium „Die Unvermeidlichkeit des Textes“
Das 6. Kolloquium des Arbeitskreises „Text und Textlichkeit“ der Fritz Thyssen Stiftung steht unter dem Titel „Die Unvermeidlichkeit des Textes“ und zitiert damit, programmatisch variierend, eine berühmte Formel Friedrich Nietzsches, nämlich die der „Unvermeidlichkeit der Bilder“. Diskutiert wird in arbeitskreisinternem Rahmen über die Relevanz des Textes als einer spezifischen kulturellen Praxis. Einerseits geht es um die Universalisierung bzw. Entgrenzung des Textbegriffes und den Statuswechsel, den das Phänomen ›Text‹ dabei erfährt; andererseits aber auch um dessen Marginalisierung in der jüngeren wissenschaftlichen Entwicklung und eine vielfach zu beobachtende Einschränkung der Zuständigkeiten von Texten (insbesondere in den Bildwissenschaften).
Aus der Perspektive verschiedener Disziplinen soll deshalb der genuinen Spezifität des Textes auf den Grund gegangen und so die besondere Bindekraft des Textes für eine Vielzahl von Disziplinen herausgestellt werden, die im Zuge des „iconic turn“ und speziell der Entgrenzung des Textbegriffs (Stichwort: „Kultur als Text“) auseinandergedriftet sind.
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04.-05.03.2021: Kolloquium „Interkultureller Texttransfer und Übersetzung"
Texte erweisen sich seit jeher als ein maßgebliches Medium interkultureller Kommunikation. Sie beschränken sich nicht darauf, Informationen zu speichern, sondern spielen in interkulturellen Begegnungs- und Aushandlungsprozessen eine kaum zu unterschätzende Rolle. Ziel des Kolloquiums ist es, speziell die Übersetzungsproblematiken in den Vordergrund zu rücken, die sich einstellen, sobald Texte nicht allein intellektuelle, sondern auch geographische oder kulturelle Grenzen überschreiten. Wie wurde die aus der jüdischen Tradition stammende Begrifflichkeit der Bibel in der paganen Welt der Antike übersetzt? Wie gestaltet sich die übersetzerische Übertragung und (Re-)Legitimation von religiösen, poetischen oder philosophischen Autoritäts- und Wahrheitsansprüchen? Und welche Methoden sind geeignet, solche Übertragungs- bzw. Übersetzungsprozesse sowohl historisch als auch systematisch zu untersuchen?
Fragen wie diese diskutieren die Mitglieder des Arbeitskreises „Text und Textlichkeit“ in digitaler Form zusammen mit ausgewählten externen Experten. Das Kolloquium selbst ist nicht-öffentlich, eine Publikation der Kolloquiumsbeiträge im Rahmen der gleichnamigen Schriftenreihe des Arbeitskreises ist allerdings vorgesehen.
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28.-29.10.2021: Kolloquium „Textpraktiken: Methoden und Institutionen“
Was haben Verfassungstexte, Gebete und poetische Texte gemeinsam? Bei ihnen allen handelt es sich um Texte, die untrennbar mit bestimmten staatlichen, religiösen und kulturellen Institutionen verwoben sind. Ohne diese können solche Texte weder verstanden noch überhaupt erst produziert oder gar kanonisch werden. Denn kein Text steht jemals allein nur für sich, vielmehr ist jeder Text stets eingebettet in spezifische, historisch bedingte kulturelle und soziale Praktiken – und insofern auch immer institutionell überformt.
Ziel des Kolloquiums ist es, diesen Konnex zwischen Text und Institution insbesondere in seinem historischen Wandel näher zu untersuchen. Dabei soll vor allem die Frage im Vordergrund stehen, welche Methoden in besonderer Weise dazu geeignet sind, den institutionellen Zusammenhang von Text und Textlichkeit genauer zu untersuchen.
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10.-11.02.2022: Online-Kolloquium „Der digitale Text“
Die kulturellen Veränderungen, die seit mehr als einem halben Jahrhundert mit der zunehmenden Allgegenwart und Selbstverständlichkeit digitaler Technologien einhergehen, betreffen auch die Geisteswissenschaften. Digitalität beeinflusst nicht nur die speziell digitalisierten Bereiche wie die digital humanities, sondern auch scheinbar analoge Felder, indem sie Begriffe, Methoden und Gegenstände transformiert. Vier Problemfelder werden umrissen: Erstens entstehen durch maschinelle Prozessierbarkeit neue Textpraktiken und Expertenkulturen. Zweitens bilden sich neue Textgattungen wie KI-generierte Texte oder Programmcodes. Drittens verändern digitale Medien die Zeitlichkeit von Texten und werfen Fragen zu Stabilität, Überlieferung und Autorschaft auf. Viertens regen diese Aspekte zu einer systematischen Reflexion über Begriffe und Methoden der geisteswissenschaftlichen Forschung an.
Ziel des Kolloquiums ist es, die hier skizzierten Felder sowohl aus historischer als auch aus systematischer Perspektive näher zu beleuchten. Besondere Berücksichtigung sollen dabei die institutionellen Voraussetzungen digitaler Textpraktiken wie auch der digital humanities erhalten.