Bewertung ist ein sowohl alltägliches als auch hochspezialisiertes Phänomen, das alle Bereiche der Gesellschaft durchzieht: von ästhetischen Urteilen im Alltag (Musik, Kinofilme) über die Vergabe von Schulnoten bis hin zu komplexen Evaluationsprozessen (Länder- und Unternehmensratings, Universitätsrankings, UNESCO-Welterbe). Bewertung ist dabei immer auch ein machtvoller und politischer Vorgang, der Hierarchien sowie Ein- und Ausschlüsse produziert.
Der historische Überblick zeigt, dass die Soziologie dem Phänomen von Beginn an ihre Aufmerksamkeit gewidmet hat. Allerdings hat sich erst in jüngster Zeit eine explizite Soziologie des Wertens und Bewertens („Sociology of Valuation and Evaluation“) formiert, die diese ubiquitären sozialen Phänomene und ihre Erscheinungsformen vergleichend in den Blick nimmt. Sie formuliert auch den Anspruch, in unterschiedlichen speziellen Soziologien verfolgte Forschungsfragen zusammenzuführen und Ergebnisse verschiedener Untersuchungen miteinander in Beziehung zu setzen.
Ziel der Tagung ist es, diese aktuellen Impulse aufzugreifen und Bewertungsphänomene aus einer dezidiert kultur- und wissenssoziologischen Perspektive zu beleuchten. Als „Kulturen der Bewertung“ sollen spezifische Bewertungskonstellationen in ihren Gemeinsamkeiten und Differenzen vergleichend in den Blick genommen werden. Sie umfassen komplexe Verbindungen aus Wissensordnungen und Diskursen, impliziten und explizit ausformulierten Kriterien, Praktiken des Vergleichens und Ordnens, technischen Instrumenten und Artefakten, etc. Die Tagung strebt dabei sowohl einen Vergleich verschiedener sozialer Felder als auch eine Beschreibung gegenwärtiger Formen sozialer Bewertung an.
Gemeinsame Tagung des AK Soziologie des (Be)Wertens der Sektion Wissenssoziologie und der Sektion Kultursoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie