Juden in der Diaspora fühlen sich so verletzlich wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie wurden traumatisiert durch den Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, durch die Gleichgültigkeit oder gar Feindseligkeit der globalen Linken nach dem Angriff und durch einen weltweiten sprunghaften Anstieg des Antisemitismus als Reaktion auf den darauffolgenden Angriff Israels in Gaza.
Universitäres Leben stellt für jüdische Studenten, deren Eltern und Alumni mehr und mehr eine Herausforderung dar, weil sie den Eindruck haben, mit pro-palästinensischen Studierenden und Dozenten konfrontiert zu sein, die andere Standpunkte unterdrücken, das Campusleben stören und jüdische Studierende diffamieren oder gar ausgrenzen, wenn diese sich weigern, die Politik Israels zu verurteilen.
Juden in der Diaspora sind wütend, verängstigt und fühlen sich betrogen. Seit den 1970er Jahren haben die Regierungen in der gesamten westlichen Welt konzertierte Anstrengungen unternommen, um den Antisemitismus zu bekämpfen, aber diese Regierungen scheinen heute nicht willens oder nicht in der Lage zu sein, ihre jüdischen Bürger zu schützen. Liberale Institutionen der Zivilgesellschaft wie Universitäten und Massenmedien haben oft fahrlässig oder ineffektiv auf die mit Israel verbundene Feindseligkeit gegenüber Juden in der Diaspora reagiert. Das Ergebnis ist ein Zerfall des Bündnisses zwischen Juden, Staat und Zivilgesellschaft (der sogenannten »vertikalen« und »horizontalen« Allianzen), das den Juden in der westlichen Welt nach 1945 Sicherheit bot.
In dem Vortrag untersucht Derek Penslar den Prozess des Zerfalls dieser Allianzen und zeigt anhand der jüngsten Entwicklungen an der Harvard Universität und anderen führenden amerikanischen Universitäten auf, wie diese Allianzen wiederhergestellt werden können.
Im Anschluss an seinen Vortrag kommt Derek Penslar, William Lee Frost Professor für Jüdische Geschichte und Direktor des Zentrums für Jüdische Studien an der Harvard Universität, mit dem Historiker Dan Diner ins Gespräch.
Die Veranstaltung ist Teil der Joint Visiting Speaker Series der Fritz Thyssen Stiftung, der American Academy in Berlin und des AmerikaHaus NRW e.V. und findet auf Englisch mit Simultanübersetzung statt.