im Rahmen der Konferenz Thyssen im 20. Jahrhundert: Familie – Unternehmen – Öffentlichkeit
Professor David Sabean ist Henry J. Bruman Endowed Professor of German History an der University of California, Los Angeles (UCLA). Nach der Promotion (Landbesitz und Gesellschaft am Vorabend des Bauernkriegs, 1972) erweiterte er seine Forschungsschwerpunkte in Cambridge/UK um die Sozialanthropologie. 1976 bis 1983 schloss er sich in Göttingen einem Forschungsverbund des Max-Planck-Instituts für Geschichte zur Proto-Industrialisierung an. 1983 erhielt er eine Professur an der UCLA, wohin er, nach seiner Berufung an die Cornell University 1988, 1993 zurückkehrte.
Die internationale, um Sabean zentrierte „Oslo Group“ erforscht seit 2000 systematisch im historischen Längsschnitt den Zusammenhang von Verwandtschaft, Heiratsbeziehungen und Familienkonstitution in Europa. Sie machte zwei große Entwicklungsmuster aus: Auf die Vertikalisierung der Verwandtschaftsbeziehungen hin zur Patrilinearität seit dem Spätmittelalter folgte ein um 1750 einsetzender Prozess der Ausbreitung horizontaler familialer Netzwerke, u. a. durch die Integration von „distant relatives“, „close marriages“ und die Bildung von Familienallianzen („allied families“).
Zu seinen herausragenden Werken zählen Power in the Blood: Popular Culture and Village Discourse in Early Modern Germany (1984; dt. 1986), Property, Production and Family in Neckarhausen, 1700-1870 (1990) und Kinship in Neckarhausen, 1700-1870 (1998). Im Kontext der Oslo Group gab Sabean bisher drei Bände heraus: Kinship in Europe: Approaches to the Long-Term Development (1300-1900) (2007, mit Simon Teuscher und Jon Mathieu); Sibling Relations and the Transformations of European Kinship, 1300-1900 (2011, mit Christopher H. Johnson) und Transregional and Transnational Families in Europe and Beyond. Experiences Since the Middle Ages (2011, mit Christopher H. Johnson, Simon Teuscher und Francesca Trivellato).
Sabean war u. a. Fellow der John Simon Guggenheim Foundation, des Wissenschaftskollegs zu Berlin und der American Academy in Berlin. Seit 2000 ist er Mitglied der American Academy of Arts and Sciences. 2004 erhielt er den Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung, 2008 den Berlin-Preis der American Academy in Berlin.