Als Mao Zedong mit seiner viel zitierten Äußerung “Die Frauen können die Hälfte des Himmels tragen” die Befreiung der chinesischen Frauen aus ihren jahrtausendealten Fesseln, ihrer sozialen Unterordnung und Abhängigkeit im patriarchalen kulturellen und politischen System Chinas verkündigte, wurde dies zum Vorbild zahlreicher postkolonialer Entwicklungen und zum Kampfruf der Frauenbewegungen in aller Welt.
In Wirklichkeit leitete dieser Satz schon im frühen revolutionären China Maos eine Entwicklung ein, die Frauen aus ihren häuslichen Verhältnissen heraus in die industrielle Produktion und Landwirtschaft bringen und an der militärischen Wiedererstarkung des jungen Nationalstaates beteiligen sollte.
Unter den Bedingungen eines sich zusehends an globale Prozesse anpassenden Chinas stellt sich heute erneut die Frage nach der tatsächlichen Rolle und Stellung der Frau und Weiblichkeit in China. In der chinesischen Gegenwart ist die Frau in Politik und Wirtschaft zwar nach wie vor nur wenig sichtbar. In allen gesellschaftlichen Bereichen sind Frauen jedoch präsent und haben Akzente setzen können, welche die Gesellschaft mehr verändert haben, als gemeinhin sichtbar wird.
Das Kolloquium „Von der Konkubine zur Wanderarbeiterin?“ beschäftigt sich mit der Frage nach der Rolle und Stellung der Frauen in der gegenwärtigen chinesischen Gesellschaft sowie ihrer historischen Herleitung und wagt einen Ausblick auf die Zukunft Chinas und seiner Frauen. Neben internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Künstlerinnen kommen auch Frauen zu Wort, die das Publikum an ihren Erfahrungen teilhaben lassen und ihnen den Alltag der Frauen in China näherbringen werden. Die zweitägige Veranstaltung wird durch ein künstlerisches Rahmenprogramm chinesischer Musikerinnen und Dichterinnen abgerundet.
„Von der Konkubine zur Wanderarbeiterin? Frauen in China“ ist eine Kooperation der Akademie der Künste der Welt mit dem Ostasiatischen Seminar (Bereich Kultur Chinas) der Universität zu Köln und Teil des Herbstprogramms der Akademie PLURIVERSALE I.