Er war geprägt von der Erziehung an einer NS-Eliteschule, verwurzelt im Rheinischen Kapitalismus, vernetzt mit den Spitzen von Wirtschaft und Politik – und zugleich war Alfred Herrhausen seiner Zeit immer voraus. Seine Karriere schien unaufhaltsam, bis sie durch ein vermutlich von der RAF verübtes Attentat im November 1989 – kurz nach dem Mauerfall – ein jähes Ende fand.
In ihrer umfassenden, auf ganz neuer Quellengrundlage geschriebenen Biografie zeigt Friederike Sattler, dass Herrhausen ein Visionär war, der die Internationalisierung des Bankgeschäfts kräftig vorantrieb, aber immer auch die gesellschaftlichen Folgen seines Handelns mit bedachte. Doch inwiefern ist er mitverantwortlich für die Probleme, mit denen die Deutsche Bank später so schwer zu kämpfen hatte? Und warum gilt er bis heute als Ausnahmeerscheinung eines Bankmanagers?
PD Dr. Friederike Sattler wurde an der Freien Universität Berlin promoviert und an der Goethe-Universität Frankfurt am Main habilitiert, wo sie seit 2012 Wirtschaftsgeschichte lehrt. Sie hat zahlreiche Veröffentlichungen zur Wirtschafts-, Sozial- und Finanzgeschichte vorgelegt, u. a. über die europäischen Wirtschaftseliten und die langfristige Entwicklung von Wertpapiermärkten.
Im Anschluss kommt Friederike Sattler mit Stephan Paul ins Gespräch, der seit 2000 den Lehrstuhl für Finanzierung und Kreditwirtschaft an den Ruhr-Universität Bochum inne hat.