Wonder as an Aesthetic Emotion. Aesthetic Cognitivism in Philosophy and Empirical Studies of the Arts
Ziel des Forschungsvorhabens ist es, eine empirisch informierte Philosophie des Ästhetischen Kognitivismus durch eine tiefgreifende Analyse der Emotion des „Staunens“ („wonder“) zu entwickeln. Dabei liegt der Schwerpunkt der Untersuchung darauf, wie das „Staunen“ sowohl als epistemische als auch als ästhetische Emotion funktioniert und die kognitive Verarbeitung und Wertschätzung von Kunst beeinflusst.
Die wichtigste methodische Neuerung besteht darin, die Lücke zwischen Philosophie und empirischer Arbeit durch eine erneute Analyse bestehender empirischer Datensätze aus (neuro-ästhetischen) Museums- und Galeriestudien („Philosophically guided Complementary Analysis Project“, PCAP) zu schließen.
Im Rahmen des PCAP werden verfügbare Datensätze (u. a. Kühnapfel et al., 2023: Untersuchung von Emotionen und körperlichen Erfahrungen von MuseumsbesucherInnen; Miller et al., 2024: Untersuchung von emotionalen und kognitiven Reaktionen auf Kunst), die Wissensemotionen, epistemische Transformationen und künstlerische Bewertungen auf der neuronalen Ebene darzustellen versuchen, neu bewertet.
Studien zeigen, dass hochintensive ästhetische Erfahrungen das Default Mode Network (DMN) im Gehirn aktivieren, das in der Regel mit selbstreferentiellem Denken verbunden ist. Die Forschung unterscheidet zwischen linearen Reaktionen in sensorischen Regionen, die mit der Intensität der ästhetischen Präferenz korrelieren, und nichtlinearen Reaktionen in frontalen Regionen, die nur für die bewegendsten Kunstwerke aktiviert werden.
Darüber hinaus werden weitere empirische Studien durchgeführt, die die Re-Analyse ergänzen und ein nuancierteres Verständnis bestimmter Komponenten des „Staunens“ ermöglichen, die in bestehenden Studien nicht behandelt wurden.
Weiterhin werden ein breites Spektrum relevanter Theorien (Kant, Schopenhauer, Dewey, Langer, Elgin, Robinson) sowie einige ergänzende systematische Übersichtsarbeiten, die sich mit kritischen Fragen beschäftigen (u. a. Kritik am eurozentrischen Konzept; Herausforderungen des Postfaktischen; methodische Kritik) in die Untersuchung einbezogen, um eine umfassende Theorie des Ästhetischen Kognitivismus zu entwerfen, welche die zentrale Rolle von Kunst und Kultur für kognitive Prozesse (z. B. Wissen, Erkennen, Verstehen) thematisiert.
Das Forschungsprojekt zielt darauf, die Lücke zwischen Kunstphilosophie und Kognitionswissenschaften zu schließen, indem Forschungen aus der Neuroästhetik und der empirischen Ästhetik in die philosophische Forschung integriert werden. Außerdem wird das Forschungsvorhaben einen stärker interdisziplinären Ansatz in der Ästhetik fördern, auch im Hinblick auf aktuelle Theorien des Geistes wie Predictive Processing und 4E (Embodied, Embedded, Extended, and Enactive) Kognition.