Women in the Synagogue: An Architectural, Social and Gender Study on Women’s Sections in Central and Western Europe in Early Modern, Modern and Post-Modern Times
Die Trennung der Geschlechter während des öffentlichen Gottesdienstes hat im Judentum (und in anderen Religionen) eine lange Tradition. Sie basiert auf religiösem Recht (Halacha) und drückt sich in der Architektur der Synagoge aus. Jüdische Frauen waren beim Gebet und Gottesdienst in der Synagoge von Männern getrennt. Der große Gebetssaal war den Männern vorbehalten. Frauen versammelten sich in eigenen, zumeist kleineren und abgeschlossenen Räumen der Synagoge.
Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die architektonischen Veränderungen von Frauengebetsräumen in mittel- und westeuropäischen Synagogen von der frühen Neuzeit bis heute vor dem Hintergrund sich wandelnder gesellschaftlicher Geschlechterverhältnisse zu untersuchen.
Das Forschungsprojekt konzentriert sich auf drei Hauptfragen:
Die architektonische Entwicklung der Frauengebetsräume in jüdischen Synagogen, angefangen von angeschlossenen Räumen, die nur über kleine Öffnungen mit den Gebetssälen verbunden sind, über verschiedene Formen der Einbeziehung von Frauenabteilungen in den Hauptkörper der Synagoge bis hin zu inneren Frauengalerien als integralem Bestandteil des Saals. Dazu gehören auch vergleichende Analysen der Synagogen mit Gebäuden verschiedener christlicher Konfessionen, die den jüdischen Gemeinden und den von ihnen beschäftigten Architekten als Vorbild gedient haben könnten.
Die sozialen und geschlechtsspezifischen Aspekte des Besuchs von Frauen in der Synagoge, einschließlich der Fragen, warum Frauen dorthin gehen, was sie tun, während sie dort sind, und wie sie an den Ritualen in der Synagoge teilnehmen (u. a. durch Beten, Singen, stilles Zuhören, Betrachten der Thora-Rolle, Beteiligung an gottesdienstlichen Handlungen). Dieser Frage soll anhand der architektonischen Formen der Frauensektionen nachgegangen werden.
Der Raum für Frauen in zeitgenössischen Synagogen, die in den letzten Jahrzehnten gebaut wurden, als Gemeinden und Architekten nach Lösungen suchten, die vom Religionsrecht vorgeschriebene Geschlechtertrennung (in orthodoxen Gemeinschaften) beizubehalten und gleichzeitig die Präsenz von Frauen in der Sacra in Übereinstimmung mit den heutigen Vorstellungen von der Gleichheit der Geschlechter egalitärer zu gestalten.
Das Projekt verbindet die klassische Kunst- und Architekturgeschichte und die Sozialgeschichte mit neueren Gender- und Kulturwissenschaften.
Die Forschung basiert auf der Untersuchung historischer und gegenwärtiger Synagogengebäude, ihrer architektonischen Pläne und Photographien sowie auf dem Studium narrativer Quellen wie Satzungen jüdischer Gemeinden, rabbinischen Responsa, Memoiren, Reiseberichten, Zeitungsberichten und anderen relevanten Texten. Im Rahmen des Projekts werden auch Interviews mit Architekten und Gemeindevorstehern sowie Expeditionen nach Frankreich, Italien und Tschechien zur Erkundung der Synagogen vor Ort durchgeführt.