Förderung Geförderte Vorhaben Wie rational sind Tiere?

Wie rational sind Tiere?

Die rasante Entwicklung der Tierverhaltensforschung der letzten dreißig Jahre mit einer Vielzahl neuer Erkenntnisse fordert dazu heraus, die philosophischen Überzeugungen über Tierrationalität neu zu überdenken.

Ziel des Projektes ist es, einen neuen theoretischen Rahmen für die Untersuchung der Rationalität von Tieren zu entwickeln, der es ermöglicht, durch die Auseinandersetzung mit der empirischen Literatur der Tierverhaltensforschung sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede in Bezug auf die Rationalität von Mensch und Tier besser zu verstehen und differenziert begrifflich zu erfassen. Viele Fälle beobachteten Tierverhaltens lassen sich nicht mehr durch Instinkt (angeborene Verhaltensdispositionen) oder durch auf bloßer Assoziation beruhendem Lernen erklären. Vielmehr legen sie nahe, dass die Fähigkeiten von Tieren denen des Menschen weit ähnlicher sind als zuvor gedacht. Gleichzeitig laufen solche anspruchsvollen Interpretationen von Tierverhalten Gefahr, tatsächliche Unterschiede zum Menschen zu verdecken. Das Problem scheint darin zu bestehen, dass das mentale Vokabular es nur zulässt, einem Lebewesen Fähigkeiten wie Überzeugungen zu haben, logisches Schließen, ein Verständnis von Kausalität oder Metaüberzeugungen zu haben, entweder vollständig zuzuschreiben oder abzusprechen. Dadurch ist es nicht geeignet, graduellen Unterschieden in den kognitiven Fähigkeiten verschiedener Lebewesen Rechnung zu tragen und diese differenzierter
zu erfassen. Das Forschungsvorhaben gliedert sich in drei Teilbereiche: Im ersten Teil wird untersucht, wie ein Lebewesen die Welt repräsentieren muss, um überhaupt sinnvoll hinsichtlich seiner Rationalität bewertet und als minimal rationales Lebewesen klassifiziert werden zu können. Gegenstand des zweiten Teils des Projektes ist die Art der Informationsverarbeitung, die der Überführung der relevanten Repräsentationen, nämlich der Überzeugungen oder der überzeugungsartigen Zustände, in Verhalten zugrunde liegt. Schließlich wird im dritten Teil des Projektes untersucht, wie die Fähigkeit, bestimmte Gehalte repräsentieren zu können, die Rationalität von Lebewesen verändert. Im Fokus steht dabei die Fähigkeit, Metarepräsentationen auszubilden und mentale Zustände wie Überzeugungen und Intentionen von anderen Lebewesen zu verstehen. Zum einen wird dabei diskutiert, wie diese Fähigkeit einer so genannten „Theory of Mind“ sich auf die soziale Rationalität eines Lebewesens auswirkt. Zum anderen wird die Rolle dieser Fähigkeit für eine spezifische Form von Rationalität, nämlich theoretische Rationalität, analysiert. Schließlich soll die Frage beantwortet werden, ob und in welchem Maße Tiere über diese Fähigkeit verfügen und wie die Bewertung der Rationalität von Tieren adäquat in einen Mensch-Tier-Vergleich einzuordnen ist.

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