Funding Funded Projects Vorbild − Abbild − Gegenbild. Kontinuität und Wandel von GenderBildern in der Kinderliteratur des langen 19. Jahrhunderts

Vorbild − Abbild − Gegenbild. Kontinuität und Wandel von GenderBildern in der Kinderliteratur des langen 19. Jahrhunderts

Die Normen und Wertvorstellungen, die in Kinder- und Jugendliteratur vermittelt werden, partizipieren immer auch an den zeitgenössischen Genderkonstrukten. Das Projektteam will mittels der Digital Humanities Grundlagenforschung zu GenderBildern in Kinderbüchern des langen 19. Jahrhunderts erbringen. Die Schreibung „GenderBilder“ kennzeichnet dabei zwei Ebenen: Es geht sowohl um Bilder im Wortsinn – nämlich die Buchillustrationen, die Gendermuster besonders einprägsam und wirkmächtig vermitteln – als auch um Rollenbilder im übertragenen Sinn.

Zugrunde gelegt wird das Korpus Colibri, das die Staats­bibliothek Berlin, die Universitätsbibliotheken Bielefeld und Braunschweig und die Internationale Jugendbiblio­thek in München seit 2021 aus ihren Beständen digitali­sieren: mit 15.000 Titeln die bislang größte Datenbank deutschsprachiger Kinder- und Jugendliteratur 1801─1914, die das Publikationsfeld in seiner ganzen Vielfalt und in einem ausgewogenen Verhältnis im Hin­blick auf Themen, Genres, Auflagen, Ausgaben, Mitwir­kende, soziale Kontexte abbildet. Zur Erfassung der Gender-Markierungen richtet sich der Blick auf Kleidung, Frisuren, Accessoires; Objekte (Spielzeuge, Bücher); Szenen, Personen- und Person-Objekt-Konstellationen und -Interaktionen; Situierung in Innen- oder Außenräumen.

Ermittelt wird: Welche GenderBilder entwerfen die Illust­rationen? Inwiefern sind Situationen oder Spielzeuge ge­gendert? Wie unterscheiden sich darin Mädchen- und Jungenliteratur? Welche Entwicklungslinien und Ver­schiebungen der Darstellungscodes von Weiblichkeit oder Männlichkeit sind erkennbar? Wie verorten sich die Bilder zwischen Norm und Subversion: als Abbilder (der Realität), didaktische Vorbilder oder ggf. Gegenbilder? Welche neuen Erkenntnisse ermöglichen digitale Metho­den – über bisherige, exemplarische Forschung hinaus (etwa genrespezifische Zuordnungen etc.)?

Methodisch werden computergestützte, quantitative Analysen mit qualitativen Detailinterpretationen kom­biniert. Digitale Methoden er­lauben – u. a. dank Deep Learning bzw. KI – systemati­sche Bilderanalysen großer Datenmengen (Erkennung von Gesichtern, Körperhaltungen, Alter, Geschlecht, Rasse, aber auch komplexer Konzepte wie Familie). Die erfassten Ähnlichkeitsmuster werden dann literaturwissenschaftlich weiteranalysiert, unter Berücksichtigung von Kontext, Metadaten und dem kulturhistorischen Um­feld (Literatur, Pädagogik, Soziologie, Genderrollen, Il­lustrationsgeschichte). Ausgehend von auffälligen Ein­zelabbildungen können dann umgekehrt automatisiert ähnliche Bilder in dem Korpus identifiziert werden; die iterative Kombination der Sichtweisen erlaubt eine pro­gressive Verbesserung der Modelle.

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