Funding Funded Projects Umformung und Variabilität im Korpus altägyptischer Personennamen 2 055-1 550 v. Chr.

Umformung und Variabilität im Korpus altägyptischer Personennamen 2 055-1 550 v. Chr.

Die Zusammenstellung von Personennamen, die von Mitgliedern unterschiedlicher Gruppen innerhalb einer Region gleichzeitig getragen wurden, und die Rekonstruktion der Namenverteilung sollen Erkenntnisse über die Beziehungen zwischen den Gruppen erzielen.

Die Personennamen des Mittleren Reiches und der Zweiten Zwischenzeit (2 055-1 550 v. Chr.) wurden im Vergleich zu den Namen des Alten Reiches relativ selten untersucht, obwohl die Anzahl der Personenbelege (über 30 000) rund zweimal größer ist als die Anzahl der Belege für das Alte Reich (rund 14 700). Da die überlieferten Namensbelege des Mittleren Reiches aus unterschiedlichen Perioden und Regionen (Theben, Umgebung von Itj-taui, regionalen Nebenzentren) stammen und einschlägige Handwerkerlisten über das soziale Verhältnis zwischen Schichtenzugehörigkeit und Namensgebung informieren, kann anhand des Korpus sowohl die geografische als auch die zeitliche und soziale Verteilung der Personennamen festgestellt werden. Das Forschungsvorhaben basiert auf einem multidisziplinären Ansatz, der epigraphische, kunsthistorische, prosopographische und sozialgeschichtliche Analysen miteinander verknüpft, um die nachgewiesenen Personennamen des Mittleren Reiches in ein dreidimensionales (zeitliches, räumliches, soziales) Beziehungssystem zu setzen.
Auf der Grundlage umfangreicher Vorarbeiten geht es im ersten Schritt darum, die generellen Muster in der Variabilität der Personennamen festzustellen, wobei das Vorkommen der grammatischen Formen und der lexikalischen Elemente der Personennamen in verschiedenen Regionen und Perioden untersucht und die Namen nach Bestandteilen klassifiziert bzw. semantisch gruppiert werden. Dadurch können die unterschiedlichen grammatischen und lexikalischen Mittel, die zum Ausdruck der gleichen Bedeutung benutzt wurden, abgeglichen, die Gesetzmäßigkeiten der Variabilität erschlossen und die Verteilung der semantischen Gruppen nachvollzogen werden. Dr. Ilin-Tomich geht davon aus, dass sich die grammatischen Formen der Personennamen während des Mittleren Reichs verändert haben. Da die Lesart vieler ägyptischer Namen wegen des besonderen Schreibsystems nicht immer eindeutig ist, erforscht Dr. Ilin-Tomich die Gesetzmäßigkeiten der Plene-Schreibung genauer. Ziel ist es, Regeln für die Lesarten der Personennamen, die je nach Datierung und Herkunft der Quellen unterschiedlich sein können, abzuleiten. Darüber hinaus stellt Dr. Ilin-Tomich die Personennamen, die von Mitgliedern unterschiedlicher sozialer Gruppen innerhalb einer Region gleichzeitig getragen wurden, zusammen, um über die rekonstruierte Namenverteilung Aussagen über die Beziehungen zwischen den Gruppen treffen zu können. In diesem Zusammenhang wird geprüft, ob die Oberschicht einer provinziellen Gesellschaft des Mittleren Reichs vom Rest der Gesellschaft durch Endogamie und kulturelle Präferenzen isoliert war und ob bestimmte Namen in bestimmten Schichten besonders häufig vertreten waren etc.
Parallel dazu erstellt Dr. Ilin-Tomich ein Namenbuch des Mittleren Reiches in Form einer Online-Datenbank, das als Lexikon für Personennamen und Titel sowie als prosopographisches Nachschlagewerk benutzt werden kann.

Newsletter Anmeldung

    Ich bin mit der Speicherung meiner Daten gemäß unseren Datenschutzhinweisen einverstanden.

    Newsletter Abmeldung