Funding Funded Projects The Making of National Security: From Contested Complexity to Types of Security States

The Making of National Security: From Contested Complexity to Types of Security States

Mit dem Westfälischen Frieden wurde das Gewaltmonopol von Nationalstaaten nach innen und außen etabliert. Nationalstaaten waren damit auch für ihre nationale Sicherheit verantwortlich.

Mittlerweile ist in entwickelten Demokratien die Herstellung nationaler Sicherheit allerdings zunehmend komplex und umstritten. Es wird in diesem Zusammenhang von einer „umstrittenen Komplexität“ (contested complexity) gesprochen, die bislang nur unzureichend systematisch erforscht ist.

Das Beispiel des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine veranschaulicht dies: Kommerzielle Waffen­hersteller, private Sicherheitsfirmen sowie Technologieunternehmen bestimmten maßgeblich die sicherheits­politischen Handlungsmöglichkeiten vieler Staaten. Daraus leiten Dr. Kruck und Dr. Weiß unterschiedliche Typen von Sicherheitsstaaten (security states) ab, die im Rahmen des Forschungsvorhabens untersucht werden.

Die Forschungsfragen lauten: Wie kann die Transformation des Westfälischen Staates hin zu unterschiedlichen Typen von Sicherheitsstaaten konzeptualisiert werden? Wie kann man mit dieser Typologie die umstrittene Komplexität von nationaler Sicherheit erfassen? Und was erklärt die verschiedenen Variationen von Typen in und über verschiedene Sicherheitsstaaten hinweg?

Es werden drei Ziele verfolgt: Zunächst erstellen Dr. Kruck und Dr. Weiß eine Typologie von Sicherheitsstaaten, die auf den beiden Dimen­sionen „politische Instrumente“ und „Autoritätsbasis“ aufbaut. Die erste Dimension unterscheidet zwischen Kapazitäten und Regeln, die zweite Dimension unter­scheidet zwischen politischer und epistemischer Autori­tät. Daraus ergibt sich eine Vier-Felder-Matrix mit vier Idealtypen: Erstens ein positiver Sicherheitsstaat mit starken Kapazitäten und hoher politischer Autorität, der auch als klassischer Sicherheitsstaat bezeichnet werden kann. Zweitens ein reformistischer Sicherheitsstaat, der über Regeln Anreize für die Herstellung sicherheitsrele­vanter Güter setzt und über hohe politische Autorität verfügt. Drittens der agentifizierte Sicherheitsstaat mit starken Kapazitäten, der auf die Expertise von Agenturen und Kommissionen setzt. Und viertens der regulatorische Sicherheitsstaat, der auf Regeln und Expertise setzt.

Dr. Kruck und Dr. Weiß untersuchen empirisch, wie sich Staaten zu bestimmten Zeitpunkten diesen ver­schiedenen Idealtypen zuordnen lassen. Dafür werden zwischen 1990 und 2022 die USA, Indien, Frankreich und das Vereinigte Königreich untersucht. Eine Annahme ist, dass technologische Veränderungen die Basis der Autorität (erste Dimension) von sicherheitsrelevanten Entscheidungen beeinflussen. Technologische Innova­tionen machen es wahrscheinlicher, dass bei sicherheitsrelevanten Entscheidungen auf Expertise von nicht-politischen Akteuren zurückgegriffen werden muss. Außerdem sind direkte oder gefühlte sicherheitsrelevante Bedrohungen entscheidend dafür, ob direkt in militärische Kapazitäten investiert wird, oder eher regel­basierte Anreize für die Herstellung sicherheitsrelevanter Güter geschaffen werden (zweite Dimension). Die vier genannten Länder lassen vor diesem Hintergrund eine deutliche Variation im Zeitverlauf erwarten.

Dr. Kruck und Dr. Weiß untersuchen außerdem in allen Ländern vier verschiedene Sektoren nationaler Sicherheit: die konventionelle Kriegsführung, militärische und logistische Unterstützung, den Schutz kritischer Infrastrukturen so­wie die Cyber-Kriegsführung.

Im letzten Schritt wird die Variation unterschiedlicher Typen von Sicherheitsstaaten zu unterschiedlichen Zeit­punkten erklärt. Dies soll helfen, zukünftige Veränderungen besser zu verstehen.

Newsletter Anmeldung

    Ich bin mit der Speicherung meiner Daten gemäß unseren Datenschutzhinweisen einverstanden.

    Newsletter Abmeldung