Funding Funded Projects The International Diffusion of Democratic Backsliding

The International Diffusion of Democratic Backsliding

Demokratische Rückschritte („democratic backsliding”) sind immer häufiger und in immer mehr Ländern zu beobachten.

Darunter wird ein gradueller, inkrementeller Abbau demokratischer Institutionen durch staatliche Akteure, meist gewählte Regierungen, ver­standen. Rückschrittige Demokratien werden in der aktuellen Forschung als unabhängige Fälle, beeinflusst durch unabhängige externe Faktoren, studiert, während Studien zu Diffusion ausbleiben. Hier setzt Dr. Schmotz mit seinem Projekt an und möchte insbesondere mit Blick auf zwei empiri­sche Beobachtungen diese Lücke schließen helfen.

Erstens zeigt sich, dass rückschrittige Staaten Cluster bilden; sowohl regional (beispielsweise in Ost und Zentral-Ost-Europa, Lateinamerika und Asien) als
auch über Zeit (jeweils vor Autokratisierungswellen).

Zweitens ist zu beobachten, dass Anführer rückschrittiger Staaten ihre Beziehungen auszubauen versuchen, beispielsweise Polen und Ungarn oder Indien, Brasilien
und Südafrika.

Um herauszufinden, ob demokratischer Rückschritt „ansteckend” („contagious”) ist, werden folgende Forschungsfragen formuliert: Verbreitet sich demokratischer Rückschritt über Landesgrenzen hinweg, sprich, begünstigen Präzedenzfälle in anderen Ländern Rückschritte im eigenen? Und falls ja, welche Mechanis­men (innerstaatliche Akteure, deren Präferenzen und institutionalisierte Kanäle) setzen Diffusion in Gang?

Zunächst erarbeitet Dr. Schmotz eine Theorie der Diffusion demokratischen Rückschritts, die das Zusammenspiel von zwei Akteursgruppen (Eliten und Wählerschaft) und deren jeweiliger (positiver) Beurteilung von Rückschrittstendenzen in anderen Staaten in den Vordergrund stellt. Demnach begünstigt Diffusion demokratischen Rück­schritt, wenn Eliten diesen in anderen Ländern (externen Präzedenzfällen) beobachten und als normativ angemes­sen wahrnehmen und dann als Konsequenz im eigenen Land vorantreiben („backslider elites”) und die Wähler­schaft dies komplizenhaft unterstützt, weil sie den beobachteten Rückschritt anderswo als programmatisch effektiv wahrnimmt („complicit electorate”). Konkret leitet Dr. Schmotz daraus drei Hypothesen ab:
Je häufiger und aktueller Rückschritt in einem anderen Land beobachtet wird, desto höher sind Angebot (Hypothese 1) und Nachfrage (Hypothese 2) für antidemokratische Platt­formen sowie, letztlich, der Grad demokratischen Rückschritts (Hypothese 3).

Mit Hilfe von Modellen räumlicher Verzögerung werden generalisierbare Diffusionsmuster identifiziert und die Auswirkung externer Präzedenzfälle auf demokratische Rückschritte im eigenen Land geschätzt. Basie­rend auf Daten aus dem „Varieties of Democracy” Pro­jekt und anderen Quellen werden neue Indizes für demo­kratischen Rückschritt und Diffusion entwickelt. Danach wird die entwickelte Theorie in zwei Fallstudien mittels Process-Tracing getestet. Ausgewählt wurden Ungarn und Indien, da diese sowohl eine hohe Ausprägung des demokratischen Rückschritts als auch beobachtbarer externer Präzedenzfälle aufweisen („positive-positive cases”), was das Auffinden eines Kausalmechanismus – wenn er denn existiert – wahr­scheinlich macht und somit anfänglichem Theorietesten dienlich ist.

Zuletzt werden die zwei Fälle vergleichend in einem kon­trollierten „most-different” Ansatz analysiert: Während Ungarn und Indien auf der einen Seite je ähnliche hohe Werte aufweisen (s. o.), bieten sie mit Blick auf die Kon­trollvariablen (geographische Region, Bevölkerungsan­zahl, BIP pro Kopf und Dauer der Demokratie) maximale Varianz. Dies soll eine vorsichtige Generalisierung des Kausalmechanismus ermöglichen.

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