Funding Funded Projects The Influence of Translated European Medical Sources on Early Modern Ottoman and Arabic Writings: Ibn Sallum al-Halabi (d. 1670)

The Influence of Translated European Medical Sources on Early Modern Ottoman and Arabic Writings: Ibn Sallum al-Halabi (d. 1670)

Im Zentrum des Forschungsvorhabens stehen Schriften des arabischen Arztes und Pharmazeuten Ibn Sallūm al-Ḥalabī (gest. 1670).

In der Menschheitsgeschichte spielen Übersetzungen eine wichtige Rolle bei der Ent­wicklung der Wissenschaft, insbesondere in Bezug auf medizinisches und pharmazeutisches Wissen. Zum Beispiel zeigen die Übersetzungen der medizinischen Theorien von Hippokrates und Galen in viele Sprachen, einschließlich Persisch und Arabisch, die praktische Wei­tergabe medizinischen Wissens zwischen den Kulturen. In der Frühen Neuzeit allerdings produzierte die arabi­sche Welt nur wenige Übersetzungen von Quellen aus Europa, obwohl die Entdeckung Amerikas eine weitere Welle des Interesses an der Außenwelt auslöste.

Eine Ausnahme bildet Ibn Sallūm Al-Ḥalabī, ein Araber aus Aleppo, der in zeitge­nössischen Chroniken und biographischen Wörterbü­chern als renommierter Arzt erwähnt wird. Ibn Sallūm verfasste medizinische (und pharmazeutische) Bücher sowohl in arabischer als auch in türkischer Sprache. Herausragend ist sein großes enzyklopädisches Handbuch der Medizin (einschließlich Pharmazie) in tür­kischer Sprache mit dem Titel „Ġāyetü `l-beyān fī tedbīr bedeni `l-insān“ („Die klarste Erklärung bei der Behand­lung des menschlichen Körpers“), das er im Auftrag von Sultan Mehmed IV. (1642-1693) geschrieben hat, zu einer Zeit, als Avicennas klassischer „Kanon der Medizin“ (11. Jahhundert) noch nicht auf Türkisch verfügbar war. Ibn Sallūms Schriften zeigen, dass er nicht nur Inhalte und Lehren der griechischen (u. a. Galen) und klassischen arabischen Medizin (u. a. Avicenna, Rhazes) kannte, sondern auch Zugang zu lateinischen Quellen hatte, zum Beispiel zu frühneuzeitlichen Texten von europäischen Medizinern und Pharmazeuten wie Daniel Sennert (gest. 1637), Paracelsus (gest. 1541), Valerius Cordus (gest. 1545), Johannes Jacob Wecker (gest. 1586) und Nicolas Habicot (gest. 1624).

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, am Beispiel Ibn Sallūms die Bedeutung europäischen Medizin- und Pharmazie-Wissens für die Entwicklung der osmanischen und arabischen Heilkunde in der frühen Neuzeit zu untersuchen.

Im Einzelnen sollen dabei folgende Forschungsfragen beantwortet werden: Wer sind die europäischen Auto­ren, die Ibn Sallūm in seinem Buch zitiert? Welche Art von medizinischem Wissen (z. B. Krankheitsbilder, Therapieformen, Medikamente) wurde aus diesen euro­päischen Quellen zitiert? Inwieweit vermittelten europäi­sche Autoren Wissen auch über „Drogen“ (bzw. Arznei­mittel), die aus Amerika eingeführt wurden? Welche Rolle spielte schließlich die Übersetzung der „westlichen“ Texte ins Arabische und Türkische bei der Neukalibrie­rung und Erweiterung des medizinischen und pharma­zeutischen Wissens in der türkischen und arabischen Kultur in der frühen Neuzeit?

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