Streiten oder Schweigen? Die Rolle von Religion in gemischt konfessionslosen und konfessionsgebundenen Partnerschaften in Deutschland
Die konfessionelle Zusammensetzung der deutschen Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Während die Mitgliederzahlen christlicher Kirchen kontinuierlich sinken, wächst der Anteil konfessionsloser Personen und religiöser Minderheiten. In gemischt konfessionslos-konfessionsgebundenen Partnerschaften (GKKP) finden entsprechend Aushandlungsprozesse statt.
Empirische Studien zeigen, dass diese meist hin zur Konfessionslosigkeit verlaufen, sodass Religion in Familien und Partnerschaften zunehmend an Bedeutung verliert und die Weitergabe von religiösen Traditionen und Praktiken dadurch weiter abnimmt. Allerdings ist unklar, wie genau dieser Prozess verläuft, welche Faktoren ihn beeinflussen und welche Konsequenzen er für die religiöse Sozialisation und das Familienleben hat.
Hier setzt Prof. Pickel mit seinem Projekt an und geht folgenden Forschungsfragen nach: Welche Faktoren tragen in GKKP dazu bei, dass sich die Bedeutung von Religion innerhalb der Partnerschaften verändert? Inwiefern findet ein religiöser Angleichungsprozess in GKKP statt und welche Rolle spielt dabei die kirchliche/ religiöse Institution, der die konfessionsgebundene Person angehört?
Prof. Pickel formuliert dazu unter Rückgriff auf die Säkularisierungstheorie zwei Hypothesen. Erstens: In GKKP verändert sich die Bedeutung von Religion hauptsächlich durch die Auseinandersetzung am Anfang der Beziehung bzw. mit einer möglichen Heirat und/oder einer Familiengründung, da dies Einfluss auf die (religiöse) Lebensweise und -deutung des Individuums und damit auf die Partnerschaft hat. Weitere Faktoren sind die (nicht-)religiöse Herkunft beider Partner und das soziale/regionale Umfeld der Partnerschaft. Zweitens: Ein religiöser Angleichungsprozess findet v. a. durch die konfessionsgebundene Person statt, da das Durchsetzen von z. B. religiöser Praxis schwieriger für die Gestaltung der Partnerschaft ist als keine religiöse Praxis auszuüben. Die Auswirkungen der kirchlichen/religiösen Institutionen der konfessionsgebundenen Person hängen jeweils von der Institution ab.
In einem Mixed-Methods-Ansatz werden eine quantitative Bestandsaufnahme und eine mehrschrittige qualitative Erhebung mit Interviews vorgenommen.