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Security Politics in Late Colonial Spanish America

Sicherheitspolitik ist ein von den Geistes- und Sozialwissenschaften viel beachtetes Phänomen. Die Antwort der westlichen Staaten auf den Terrorismus seit dem 11. September 2001 hat der problematischen Beziehung zwischen Sicherheit, Staat und Überwachung hohe Priorität in der Forschung eingeräumt. Die Geschichtsschreibung zur Frühen Neuzeit hat Sicherheit und Überwachung in Zusammenhang mit der Geschichte der Polizeiinstitutionen, der Erforschung von Protest, Verbrechen und Gewalt sowie der Disziplinargesellschaft untersucht. Manche Studien stellten dabei die Polizeigeschichte in den umfassenderen Kontext von state building, Bürokratisierung und Justizialisierung.

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die Sicherheits­politik Spaniens in Spanisch-Amerika gegen Ende des Ancien Régimes zu analysieren, als in Folge der Revolu­tion der nordamerikanischen Kolonien und der Französi­schen Revolution für periphere imperiale Gebiete eine neue politische Ordnung denkbar wurde, die republika­nisch und unabhängig war. Dabei geht Dr. Biersack von der Hypothese aus, dass die Revolutionsfurcht zu tief­greifenden Transformationen führte, die das institutio­nelle Gefüge, den Sicherheitsdiskurs, die polizeilichen Überwachungspraktiken und das Rechtssystem betrafen. Dr. Biersack vermutet, dass die Sicherheitspolitik am Ende des Ancien Régimes einer der wesentlichen Faktoren war, die zur Herausbildung des modernen bürokratischen Staates führte. Die Sicherheitspolitik ermöglichte es der kolonialen Regierung, mit Hilfe neu geschaffener Polizei- und Überwachungsinstrumente (u. a. Alcades de Barrio, Juntas de Seguridad, Juzgados de Vigilancia) Menschen intensiver zu kontrollieren, sodass eine neuartige hierarchische und normenorien­tierte Regierung möglich war, die für den bürokratischen Nationalstaat des 19. Jahrhunderts charakteristisch war. Diese ersetzte die ältere Form der Regierung, die durch nachbarschaftliche Vigilanz, multiple Normativitäten, Aushandlungsprozesse von Herrschaft und die Regelung politischer Konflikte über das Rechtssystem charakteri­siert war.

Dr. Biersack knüpft an politikwissenschaftliche Konzepte der Securitization und der Surveillance Studies an. Diese hätten das Verständnis von Foucaults Panopti­kum-Staat, der von oben beobachtet und kontrolliert, modifiziert. Überwachung sei komplexer gewesen, insbe­sondere in der Frühen Neuzeit, als auch die Kontrolle durch die Untertanen „von unten“ eine bedeutende Rolle spielte, beispielsweise mittels der Denunziation. Dr. Biersack folgt dieser Annahme und legt das Hauptaugen­merk nicht auf die Untersuchung von Diskursen, Normen oder des Kontextes auf der Makro- (Metropole, Zentralregierung) und der Mesoebene (Provinzen), sondern auf die mikrohistorische Analyse der Sicher­heitspraktiken in verschiedenen Orten (Mikroebene). Dieser praxeologische Ansatz soll es ermöglichen, die konkrete Gefahrenwahrnehmung und das Verhalten der Sicherheitsakteure zu analysieren, um die Aneignung von Sicherheitsdiskursen in der Praxis zu rekonstruieren. Die Analyse auf Mikroebene legt den Fokus auf wichtige Provinzstädte im Gebiet des Rίo da la Plata und Hoch­perus (Buenos Aires, Montevideo, Córdoba, Potosί und Sucre) als die Orte, an denen state building und die Entstehung und Konsolidierung moderner Polizei stattfanden. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich vom Beginn der Reformen Karls III. (1766) über die Un­abhängigkeit der dreizehn nordamerikanischen Kolonien (1775) bis zu den Cortes von Cádiz und dem Beginn der lateinamerikanischen Unabhängigkeitskriege (1810).

Das Forschungsvorhaben basiert im Wesentlichen auf der Auswertung von offiziellen Dokumenten (z. B. Gesetze, Dekrete, Petitionen, Inquisitionsakten), Zeitungsartikeln und Ego-Dokumenten (z. B. Tagebücher, Briefe, Chroniken).

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