Funding Funded Projects Schwerwiegende Schenkungen. Zur Aneignung der Objekte im Mineralogischen Museum in Berlin (1770-1840)

Schwerwiegende Schenkungen. Zur Aneignung der Objekte im Mineralogischen Museum in Berlin (1770-1840)

Durch das Projekt wird erforscht, wie Wissenschaft, Politik und Ökonomie beim Aufbau von Mineraliensammlungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusammenwirkten.

Seit dem 18. Jahrhundert beruhte der Auf- und Ausbau von Naturaliensammlungen in einem erheblichen Maß auf Schenkungen. Als Schenkungen sind Sammlungen von Objekten zu verstehen, denen Schenkende wie Empfangende bestimmte Werte zuschrieben. Diese Wertzuschreibungen sind im Falle von Mineralienschenkungen ganz besonders zutage getreten, da diese nicht allein epistemische, sondern auch ökonomische und symbolische Interessen und Werte materialisierten. Sammler, Museumsdirektoren oder Kuratoren der Sammlungen betonten meist den epistemischen Wert, das heißt die Bedeutung, die Mineralien für den natur-wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn besaßen. Demgegenüber verfolgten Staatsdiener und Unternehmer mit ihren Schenkungen auch politische und monetäre Ziele, etwa wenn sie Gesteine aus neuer­worbenen Provinzen oder aus Lagerstätten schenkten, deren Rohstoffe sie zu nutzen planten.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die Schenkungen an das Museum für Naturkunde in Berlin und an seine Vorgängerinstitutionen (ca. 5.000 Stücke, u.a. von Carl Wilhelm Nose, Carl von Oeynhausen, Heinrich von Dechen, Alexander von Humboldt) in der Zeit von 1770 bis 1840. Anhand dieser Sammlungen wird untersucht, wie die Steine von unterschiedlichen Akteuren mit unterschiedlichen Werten belegt wurden. Hierzu wird die lange Kette der Aneignungsprozesse in den Blick genommen, die mit deren Aufnahme am Fundort begann, mit der Institutionalisierung in der Sammlung weiterging und in den wissenschaftlichen Bearbeitungen zu einem vorläufigen Abschluss kam. Es soll somit ein Beitrag dazu geleistet werden, das Verhältnis von Wissenschaft und Politik – Museum und Staat – in Europa am Übergang von der Vormoderne zur Moderne näher zu bestimmen, indem institutionelle Überschneidungen und diskursive Wechselbeziehungen analysiert werden.

Die Schenkungen sind in diesem Rahmen die Quellen, um beispielsweise nachzuvollziehen, wie die im Entstehen begriffenen Ideen von Staat, Nation und Wissenschaft unter Bezugnahme auf das Museum verhandelt wurden: Wie gestaltete sich der Übergang von Privatsammlungen zu Museen? Was waren die Interessen der Schenkenden? Lassen sich Bezüge zwischen den Begründungen für die Schenkungen mit dem jeweiligen Staatsverständnis des Schenkenden herstellen? Was waren die Kriterien für die Annahme von Schenkungen und wie veränderten sie sich im Laufe der Zeit? Unter welchen politischen Rahmenbedingungen – Krise, Krieg, Reform – hatten welche Werte Konjunktur? Erhielten die Schenkenden „Gegengeschenke“, handelte es sich auch bei Naturalienschenkungen mithin um reziproke Hand­lungen? Nicht zuletzt wird auch der Frage nachgegangen, wie die Schenkungsakte die räumliche Aufstellung und wissenschaftliche Bearbeitung der Sammlung veränderten.

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