Pleistocene Hunter-Gatherer Lifeways and Population Dynamics in the Ararat (paleo-lake) Depression, Armenia
Das evolutionäre Zusammenspiel zwischen Umweltbedingungen, Bevölkerungsdichte und menschli-chen Verhaltensweisen kann in idealer Weise am Bei¬spiel des südlichen Kaukasus studiert werden.
Die Ausbreitungs- und Rückzugsbewegungen prähistorischer Populationen im Zeitalter des Pleistozäns waren von naturräumlichen Kontexten und Faktoren abhängig, die sich günstig bzw. ungünstig auswirken konnten, je nachdem wann und wie viele Menschen an welchen Orten damit zurechtkommen mussten. Das evolutionäre Zusammenspiel zwischen Umweltbedingungen, Bevölkerungsdichte und menschlichen Verhaltensweisen kann in idealer Weise am Beispiel des südlichen Kaukasus studiert werden. Dabei wird nicht nur die in der Forschung vieldiskutierte Frage nach Akkumulation und Erhaltung neuer Verhaltensweisen in Wildbeutergemeinschaften in den Fokus gerückt, sondern auch ein bislang wenig beforschtes Rückzugsgebiet zwischen Afrika und Eurasien.
Im Rahmen der Studie erforscht Dr. Malinsky-Buller, inwieweit die klimatischen Verhältnisse die Präsenz bzw. die Absenz von Populationen beeinflusst haben und wie sich die regionale Besiedlung im Wechsel von Eis- und Warmzeit entwickelte. Mit Blick auf die unmittelbaren Reaktionen auf klimatische Veränderungen möchte er ferner zeigen, wie sich die Schwankungen im Angebot der Ressourcen auf Siedlungsstrategien und Mobilität ausgewirkt haben. Im Zusammenhang mit Feldbegehungen und Ausgrabungen am Rande der trockengefallenen Senke des Araratgebirges, unweit der Stadt Ararat, wird das Verhältnis zwischen Umweltbedingungen, Demographie und Verhaltensweisen anhand der archäologischen Funde und Befunde in Beziehung gesetzt. Dabei kommen unterschiedliche Methoden und Disziplinen zum Einsatz, um Flora- und Faunareste bestimmen, seismische Aktivitäten und Erosionen sowie klimatische Veränderungen nachweisen und innerhalb der marinen Sauerstoffisotopenstufen 7 bis 3 (250-29 Tsd. Jahre) zeitlich einordnen zu können. In dem rund 20 Quadretkilometer großen Gebiet werden vier Ablagerungsräume im Rahmen von Testgrabungen untersucht und beprobt: am Ufer des ehemaligen Sees, an den mit Karsthöhlen durchsetzten Kalkhängen, an den kalkhaltigen Tuff- und Travertin-Resten, die sich am Boden nacheiszeitlicher Fließgewässer abgelagert haben, und am Kamm über der Senke, wo bereits einschlägige Artefakte gefunden worden sind. Die Ablagerungsräume stehen im Zusammenhang mit unterschiedlichen Habitaten, die Wildbeuter-Gemeinschaften angezogen haben.
Anhand der archäologischen und geomorphologischen Rekonstruktion des Gebietes und mittels der erhobenen Datenbasis werden Umweltbedingungen, Landnutzung, Verhalten und Mobilität synchronisiert, um so die Auswirkungen klimatischer Langzeiteffekte auf die räumliche Ausbreitung darzustellen. Hat es in diesem „Refugium“ eine kontinuierliche Besiedlung selbst unter schwierigsten Bedingungen gegeben oder lassen sich auch hier Unterbrechungen (Hiatus) in Zeiten klimatischer Verschlechterungen nachweisen? Wie sind die Wildbeuter-Gemeinschaften mit Krisen und kalten Perioden umgegangen, welche Ressourcen standen ihnen zur Verfügung? Welchen Einfluss haben Klima und Vegetationswechsel gehabt und wie haben sie sich auf die Landnutzung ausgewirkt? War der südliche Kaukasus eine Barriere oder ein Korridor in Bezug auf die Ausbreitung des Menschen an der Schnittstelle zwischen Afrika und Eurasien?