Funding Funded Projects Planning sentences and sentence intonation cross-linguistically

Planning sentences and sentence intonation cross-linguistically

Indem sie Theorien und Methoden der Phonetik und Psycholinguistik kombiniert, führt Dr. Ots im Rahmen dieses Projekts eine interdisziplinäre Untersuchung der Beziehung zwischen Satzplanung und Satzintonation durch.

Bisherige phonetische Studien zur Satzintonation haben ergeben, dass Sprecher fähig sind, die Länge der kommenden Äuße­rung vorauszusehen. Im Licht der aktuellen sich schnell entwickelnden Theorien zur Satzproduktion stellt sich daher die Frage, wie Sprecher fähig sind, diese Länge abzuschätzen, bevor sie zu sprechen begin­nen. Dabei beinhaltet die Satzproduktion eine Anzahl komplexer Prozesse, wie z. B. die Auswahl der passenden Wörter und die Anordnung dieser Wörter in Abhängigkeit von den jeweils sprachspezifischen grammatischen Be­dingungen. Zwar hat die psycholinguistische Forschung eine enorme Anzahl von Studien zu den Abläufen von Wortfindung und Strukturbildung produziert, dennoch ist aber die Satzplanung bislang noch kaum erforscht.

Durch ein besseres Verständnis der Satzplanung erhofft sich Dr. Ots, die Frage beantworten zu kön­nen, was es Sprechern ermöglicht, die Länge ihrer Äu­ßerungen im Vorhinein einschätzen zu können, und wie diese Einschätzung die Satzintonation beeinflusst. Zu­dem wird ein tiefergehendes Verständnis der kogniti­ven Prozesse, die in die Satzproduktion involviert sind, und der Beziehung zwischen Grammatik und Satzpla­nung und zwischen Aufmerksamkeit und Verarbeitungs­kapazität dazu beitragen, Theorien zur Sprachentwick­lung, zum Spracherwerb und zur Sprachbeeinträchtigung zu entwickeln.

Aktuelle Ergebnisse von Untersuchungen zu typologisch unterschiedlichen Sprachen lassen dabei darauf schließen, dass ein besseres Verständnis der Prozesse bei der Sprachproduktion möglich ist, wenn die Zeitspannen verglichen werden, die für die Satzpla­nung in verschiedenen Sprachen, die sich in ihren gram­matischen Eigenschaften unterscheiden, aufgewen­det werden. Dabei sind neue Forschungen zur Satzpla­nung notwendig, weil neue Methoden der Daten­model­lierung durch die heute mögliche Verarbeitung von Da­ten aus sehr verschiedenen Quellen zu den Theorien zur Sprachproduktion und zum Sprachprozess beitragen können. Zudem ist es sinnvoll, die aktuelle Forschung auf bislang wenig erforschte Sprachen zu richten, um die Validität aktueller Theorien zu testen und deren An­wendbarkeit auf eine größere Anzahl von Sprachen aus­zuweiten.

Damit möchte Dr. Ots  im Hinblick auf ein besseres Verständnis grammatischer Beschränkungen in der Satzproduktion einen substantiellen Schritt vorwärts machen. Aktuelle sprachübergreifende Untersu­chungen zeigen, dass Sprecher von Sprachen mit Ka­susmorphologie möglicherweise einen umfassenderen konzeptionellen Entwurf ihrer geplanten Äußerungen ge­nerieren, als Sprecher einer Sprache ohne Kasusmor­phologie, da die Kasusmarkierung eine frühe Planung der Abhängigkeit zwischen den Wörtern benötigt. Davon ausgehend wird die Hypothese getestet, dass die Entwicklung eines umfassenderen konzeptionellen Ent­wurfs für den gesamten Satz vor dem Aussprechen den Sprecher befähigt, die Länge der Äußerung und damit die phonetische Aufführung einzuschätzen.

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