Funding Funded Projects Peripheres Wohnen und Arbeiten in der römischen Colonia Ulpia Traiana ‒ ein interdisziplinäres Lehr- und Forschungsprojekt im Archäologischen Park Xanten

Peripheres Wohnen und Arbeiten in der römischen Colonia Ulpia Traiana ‒ ein interdisziplinäres Lehr- und Forschungsprojekt im Archäologischen Park Xanten

Die Colonia Ulpia Traiana ist unter Kaiser Traian (98-117 n. Chr.) als rund 73 Hektar große Planstadt mit orthogonalem Straßennetz angelegt worden und wurde – mit einer Unterbrechung in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. – bis ins späte 4. Jahrhundert n. Chr. kontinuierlich besiedelt.

Gegen Ende des 4. Jahrhunderts wurde die römische Stadt endgültig aufgegeben und auf den damals bereits bestehenden Zivilbereich der späteren mittelalterlichen Stadt Xanten verlagert worden. Im Rahmen eines seit 2016 durchgeführten Forschungs- und Lehrprojekts wird in der Colonia Ulpia Traiana in Xanten ein Wohn- und Handwerkerquartier der römischen Kaiserzeit untersucht, um neue Erkenntnisse zur bislang kaum verstandenen Frühgeschichte Xantens sowie zu Struktur und Nutzungsdynamik seiner peripheren Stadtbereiche zu gewinnen. Das Projekt wird nun mit Unterstützung der Fritz Thyssen Stiftung weitergeführt. Dabei werden neue Dokumentations-, Visualisierungs- und Auswertungsmethoden für archäologische Anwendungen erprobt und zusammen mit Studenten und Nachwuchswissenschaftlern weiterentwickelt.

Das in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Park in Xanten angelegte Projekt verfolgt mehrere Ziele, nämlich

  • die systematische Untersuchung der Bebauungsstruktur der unmittelbar an der Stadtmauer gelegenen Insula 22 und ihrer Bauphasen als Beitrag zur urbanistischen Entwicklung dieses peripheren Bereichs innerhalb der kaiserzeitlichen Colonia Ulpia Traiana,
  • die Klärung der Frage, wie die untersuchten Gebäude in Zeiten von Konjunkturen und Krisen wirtschaftlich genutzt wurden,
  • die Analyse der vor-colonia-zeitlichen Siedlungsstrukturen unter der Insula 22 als Beitrag zur bislang kaum verstandenen Frühzeit der römischen Ansiedlung und
  • die Rekonstruktion von Alltagskultur, Lebensverhältnissen und Ernährungssituation der Bewohner der Insula auf Basis ihrer materiellen Kultur.

Ferner wird die Ausgrabungsmethodik in Form einer 3D-Dokumentation weiterentwickelt. So wird während der Ausgrabungskampagnen ein kombinierter Einsatz von verschiedenen Dokumentationsmethoden – stratigraphische Sondagen, geophysikalische Prospektionen, materialtypische Untersuchungen, Bauaufnahme, Photogrammetrie und 3D-Laserscanning – zur systematischen Erfassung aller Befunde und Funde getestet, wobei die Daten in einem 3D-geographischen Informationssystem mit angeschlossenen Datenbanken zusammengeführt und verwaltet werden. Die Entwicklung einer solchen Dokumentationsweise ist auch deswegen wünschenswert, da die Ausgrabungen letztendlich die kontrollierte, jedoch unwiederbringliche Zerstörung der archäologischen Befunde und Kontexte nach sich ziehen.

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