Förderung Geförderte Vorhaben Out of Africa and the Middle to Upper Paleolithic transition at the margins of the Levantine corridor: new perspectives from the sites of Far’ah II and Boker Tachtit

Out of Africa and the Middle to Upper Paleolithic transition at the margins of the Levantine corridor: new perspectives from the sites of Far’ah II and Boker Tachtit

Erfolgte der Übergang vom Mittleren Paläolithikum zum Jungpaläolithikum in der Negev-Wüste allmählich oder – in Verbindung mit einer technologischen Revolution – eher sprunghaft?

Bei der Frage nach der Verbreitung des modernen Menschen von Afrika nach Eurasien (Out of Africa II, vor 60 000 bis 45 000 Jahren) ist die Forschung nach wie vor in zwei Lager gespalten. Während das eine Lager der Meinung ist, dass die Verbreitung durch ein einmaliges Ereignis, nämlich das plötzliche Auftreten des modernen Menschen, in Gang gesetzt wurde, geht das andere Lager von mehreren Ursachen, wie dem Anwachsen der Bevölkerung, der Verknappung der Ressourcen, klimatischen und kulturellen Veränderungen, aus. Uneinigkeit besteht aber auch hinsichtlich der Frage nach der Migrationsroute. So kommt sowohl die südliche Route über die Meerenge zwischen dem Horn von Afrika und der Arabischen Halbinsel in Frage – der Übergang wäre bei niedrigem Meeresspiegel damals durchaus möglich gewesen – als auch die nördliche Route entlang des Nils, der häufig eine „grüne Gasse“ durch die Sahara bildete.
Die nördliche Route führte durch die im heutigen Israel gelegene Negev-Wüste, wo sich die beiden Fundplätze befinden, die Prof. Gilead im Rahmen der Studie untersucht. Dabei werden sowohl die bereits bekannten als auch die zu erwartenden Erkenntnisse über Steininventare, archäologische Schichten, Artefakte, tierische Überreste, räumliche Fundverteilungen und Datierungen miteinander in Beziehung gesetzt, um neue Aussagen über die technologische und kulturelle Entwicklung der Levante am Übergang vom Mittleren Paläolithikum zum Jungpaläolithikum treffen und vor dem Hintergrund der „Out-of-Africa“-Theorie deuten zu können.
An der Fundstelle Far’ah II 1 hat Prof. Gilead in der Vergangenheit bereits zwei archäologische Horizonte des Mittleren Paläolithikums freilegen können. Die ausgemachten Funde – ein Steininventar (4000 Artefakte) und tierische Überreste in der älteren Schicht, Flintsteine und Knochen in der jüngeren Schicht – konnten mit mindestens zwei Plätzen in Verbindung gebracht werden, an denen Menschen vor rund 50 000 bis 60 000 Jahren auf unterschiedliche Weise aktiv waren. Bei der zweiten Grabungsstelle handelt es sich um das 67 km südlich von Far’ah II gelegene Boker Tachtit, das 1983 entdeckt worden ist. Dort konnten vier archäologische Horizonte ausgemacht und jeweils mit eigenständigen Zonen menschlicher Aktivitäten in Verbindung gebracht werden. Die Funde in der ältesten Schicht sind rund 47 000 Jahre alt. Im Rahmen der Grabungen in Boker Tachtit werden u. a. neue Daten und Erkenntnisse zu Beschaffenheit und Verteilung des Steininventars gesammelt.
Anhand der archäologischen Befunde in den chronologisch und geographisch eng nebeneinander liegenden Fundstellen in Far’ah II und Boker Tachtit, die mittels unterschiedlicher Analyseverfahren untersucht und miteinander verglichen werden, möchte Prof. Gilead Technologien, Verhaltensmuster und Wirtschaftsweisen rekonstruieren und neue Einsichten über kulturelle Brüche und Kontinuitäten in der Negev-Wüste am Übergang vom Mittleren Paläolithikum zum Jungpaläolithikum gewinnen. Es wird u. a. geprüft, ob der Übergang allmählich oder – in Verbindung mit einer technologischen Revolution – sprunghaft erfolgte.

Newsletter Anmeldung

    Ich bin mit der Speicherung meiner Daten gemäß unseren Datenschutzhinweisen einverstanden.

    Newsletter Abmeldung