Mind the Meaning: The Philosophy of Psychological Expressivism
Ziel des Forschungsprojektes ist die Grundlegung einer Philosophie des Psychologischen Expressivismus. Prof. Freitag greift Fragestellungen der Sprachphilosophie, der Philosophie des Geistes und der Epistemologie auf.
Dem Vorhaben liegt die Annahme zugrunde, dass Aussagen in der ersten Person wie „ich wünsche, dass die Sonne scheint“, „ich glaube, dass es regnet“ oder „ich habe Schmerzen“ nicht (in erster Linie) Behauptungen über den Sprecher, seine Absichten und seine mentalen Zustände (mentals states), wie z. B. Austin und Searle in ihrer Sprechakt- bzw. Illokutionstheorie darlegen, sondern im Sinne des Psychologischen Expressivismus (expliziter) Ausdruck von Gefühlen und Einstellungen des Sprechers sind.
Das Forschungsvorhaben besteht aus drei Teilprojekten. Ziel des ersten Teilprojektes ist es, den Psychologischen Expressivismus in eine allgemeine Theorie expressiver (Sprech-)Akte einzubetten und dabei auch die semantischen und logischen Aspekte zu berücksichtigen. Im zweiten Projektteil werden insbesondere die sprachphilosophischen Ausführungen Wittgensteins im „Blue Book“ in den Blick genommen. Wittgenstein stellt im „Blue Book“ heraus, dass in Aussagesätzen der Ersten Person das „Ich“ in unterschiedlicher Weise verwendet wird, einmal als Subjekt, ein anderes Mal als Objekt. Hier soll gezeigt werden, dass der Gebrauch des „Ich“ als Subjekt Anknüpfungspunkte für eine expressivistische Deutung aufweist. Darüber hinaus wird Gareth Evans Abhandlung „Transparency Thesis and Self-Knowledge“ konstruktiv-kritisch im Hinblick auf eine expressivistische Interpretation zu untersucht. In einem dritten Projektteil wird versucht, die Philosophie Descartes und Kants in einer expressivistischen Perspektive neu zu lesen. In beiden Philosophien spielt das Subjekt als „denkendes Ich“ („cogito ergo sum“) eine zentrale Rolle. Es ist die unabdingbare Voraussetzung sowohl für die Begründung des Rationalismus bei Descartes als auch für die Transzendentalphilosophie Kants. Prof. Freitag erwartet, dass durch die Überprüfung der Anwendbarkeit der Theorie des Psychologischen Expressivismus auf grundlegende philosophische Positionen neue Einsichten in wichtige philosophische Fragen wie z. B. nach der Selbsterkenntnis, dem Selbstwissen oder dem Selbstverstehen der Person gewonnen werden können.