Förderung Geförderte Vorhaben Kritische Edition und wissenschaftliche Kommentierung ausgewählter Texte Franz von Baaders (1765-1841) zu Theosophie, Religionsphilosophie und Theologie

Kritische Edition und wissenschaftliche Kommentierung ausgewählter Texte Franz von Baaders (1765-1841) zu Theosophie, Religionsphilosophie und Theologie

Franz von Baader (1765-1841) gilt als einer der herausragenden Vertreter der Romantik, der Naturforschung, Gesellschaftslehre, Religionsphilosophie, Theologie und Mystik zu einer neuen Synthese führen wollte.

Franz von Baaders Bedeutung unter anderem für Hegel, Schelling, Jacobi, Goethe, Kierkegaard, die katholische Tübinger Schule und schließlich Benjamin und Heidegger steht in einem Gegensatz zur desolaten, die Baaderrezeption und Baaderforschung bis heute weithin kennzeichnenden Quellenlage. Baaders aus etwa 130 Schriften bestehendes Œuvre liegt bislang in keiner zuverlässigen Edition vor. Ein erster Schritt zu einer kritischen und wissenschaftlich kommentierten Ausgabe wurde durch die Edition der besonders einflussreichen, früheren Schriften zur Naturphilosophie aus den Jahren 1792-1808 unternommen. Diese Arbeit wird nun mit der Edition weiterer in der Sache einschlägiger baaderscher Texte zu Theosophie, Religionsphilosophie und Theologie fortgesetzt und abgeschlossen.
Die drei zu erstellenden Bände werden insgesamt achtzehn Texte von 1808 bis 1838 in chronologischer Reihenfolge umfassen. Es handelt sich um Texte, die zum einen von Baader selbst bereits zu seinen Lebzeiten herausgegeben und veröffentlicht worden sind und zum anderen die wesentliche und zusammenhängende Entwicklung seines Philosophierens deutlich erkennen lassen.
Der erste Band wird sechs Abhandlungen aus den Jahren 1808 bis 1818 enthalten. Diese sind inhaltlich für das Verständnis von Baaders Gedankenwelt insofern wichtig, als seine mystischen und theosophischen Grundeinstellungen hier ausgeprägt zutage treten. Zugleich stellen sie den Übergang zur Spätphase Baaders dar, in der er sich zunehmend in eine theosophisch-spekulative Richtung entwickelt hat, in welcher die naturphilosophischen Grundlagen der Ethik durch hermeneutische Bemerkungen über die Werke von Thomas, Eckart, Tauler und Böhme ergänzt bzw. sogar neu begründet werden. Der zweite und der dritte Band werden die bedeutendsten und bekanntesten Hauptwerke Baaders enthalten. Es handelt sich dabei um die sechs Hefte der »Fermenta Cognitionis« (1822-1825) und die fünf »Vorlesungen über die speculative Dogmatik« (1828-1838) samt den »Bemerkungen über das zweite Kapitel der Genesis« (1829) aus der Lehrtätigkeit Baaders an der Münchener Universität, die eine Fortsetzung bzw. Vertiefung der »Fermenta Cognitionis« darstellen. Die Auswahl zeigt nicht nur die Gedankenentwicklung Baaders, sondern auch die Programmatik seiner Philosophie der reifen Jahre, nämlich eine christliche Gnosis als Vereinigung von Philosophie und Theologie zu begründen.
Die zu edierenden Texte werden kritisch bearbeitet und durch erklärende Anmerkungen bzw. einen Sachkommentar erschlossen. Zudem wird ein Namens- sowie ein Sachindex angelegt. Neben einer Einleitung zum übergreifenden Thema jedes Teilbandes werden den Texten editorische Berichte vorangestellt, die deren jeweilige Entstehungsgeschichte, Editionslage und Wirkungsgeschichte wissenschaftlich darstellen.