Funding Funded Projects Kommunikation − Demenz − Migration (KoDeMi). Kultursensibilität und reflexive Intentionalität in der Kommunikation zwischen Pflegekräften und Menschen mit Demenz und Migrationshintergrund

Kommunikation − Demenz − Migration (KoDeMi). Kultursensibilität und reflexive Intentionalität in der Kommunikation zwischen Pflegekräften und Menschen mit Demenz und Migrationshintergrund

In einer alternden Migrationsgesellschaft wie Deutschland steigt die Zahl pflegebedürftiger Menschen mit Migrationshintergrund.

Entsprechend wird der Ruf nach kultursensibler Pflege zunehmend lauter. Allerdings existiert noch kein anerkannter (internationaler) interaktions- und kommunikations­theoretischer Referenzrahmen und die Demenz hat als spezifischer Fall altersbedingter Pflegebedürftigkeit bislang wenig Beachtung gefunden. Der Fokus des Projekts liegt auf pflegebedürftigen Menschen mit Demenz und türkischem Migrationshintergrund (in der Folge: Betroffene), da diese in Deutschland die größte Gruppe von Betroffenen bilden. Die Ergebnisse lassen sich allerdings generalisieren.

Prof. Uslucan und Dr. Mollenhauer bedienen interdisziplinär mit zwei thematischen Schwerpunkten gleich mehrere Desiderate der aktuellen Studienlage und formulieren dazu je zwei Fragen.

Der erste Schwerpunkt ist die Handlungskoordination zwischen Pflegekräften und Betroffenen. Dazu fragen Prof. Uslucan und Dr. Mollenhauer nach der (womöglich je nach Krankheits­stadium variierenden) Rolle der im Pflegediskurs gefor­derten Kultursensibilität. Außerdem fragen sie nach der Bedeutung der von Pflegekräften verwendeten (Mutter-) Sprache in der Pflege und ob sich diese krankheitsverzögernd oder -beschleunigend auswirken kann.

Der zweite Schwerpunkt ist das Verhältnis zwischen der Handlungskoordination unter Beteiligung von Betroffenen und ihren (noch gegebenen) mentalen Kompetenzen. Dazu fragen Prof. Uslucan und Dr. Mollenhauer zum einen nach der Rolle der in der Spracherwerbsforschung als Grundlage des Spracherwerbs identifizierten Fähigkeit zum reflexiven Verstehen von Intentionen für die Quali­tät der Handlungskoordination in den unterschiedlichen Stadien der Demenzerkrankung. Zum anderen fragen sie nach der potenziellen Notwendigkeit, den kultursensiblen Umgang mit Betroffenen in Abhängigkeit vom Stadium ihrer Erkrankung auf unterschiedliche Weise zu gestalten.

In der ersten Phase werden Pflegekräfte in einer statio­nären Pflegeeinrichtung und einem mobilen Pflegedienst im Ruhrgebiet vier Monate lang in ihrem Alltag begleitet. Dabei werden ethnographische Beobachtungspro­tokolle angefertigt. Zudem werden Interviews mit den Pflegekräften situationsabhängig in ihrem Alltag geführt und aufgezeichnet.

In der zweiten Phase werden entwicklungspsychologische Experimente durchgeführt, die auf das Verstehen der Intentionen der Betroffenen in möglichst natürlichen Situationen zielen. Dazu werden gemeinschaftliche Aktivi­täten mit spielerisch gestalteten Aufgaben in der statio­nären Pflege per Video aufgezeichnet, ethnographisch erschlossen und sozialwissenschaftlich ausgewertet.

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