Kommentierte Editionen der Briefwechsel der Brüder Grimm
Von den Korrespondenzen der Brüder Grimm – rund 20.000 bekannte Briefe in einem Netzwerk von ca. 2.100 Personen – sind in der seit 2001 erscheinenden „Kritischen Ausgabe“ bislang ca. 3.300 Briefe erschlossen und etwa 730 Briefe in weiteren Reihen (der sog. Kasseler Ausgabe und Bänden beim Olms Verlag, Hildesheim). Zudem finden sich Digitalisierungen verstreut bei zahlreichen Institutionen, oft als Faksimiles ohne editorische Erschließung.
Im Rahmen des Projekts werden Band 11 der „Kritischen Ausgabe“ erarbeitet sowie datentechnische Lösungen entwickelt, um die Texte, Kommentare und Apparate der gesamten Ausgabe online bereitzustellen.
Ediert werden vier vollständige Korrespondenzen von einem oder beiden Brüdern (253 Briefe), ausgewählt nach dem Kriterium, dass sie bislang nur fragmentarisch oder gar nicht ediert und die Originale schwer oder nicht zugänglich sind. Die Korrespondenzpartner sind: Leonz Füglistaller, Gewährsmann Jakob Grimms für altdeutsche Texte an der Stiftsbibliothek St. Gallen (25 Briefe zu Sprachgeschichte und Grammatik); Joseph Görres (ca. 83 Briefe in zwei Phasen: zunächst zu Philologischem, später zu politischen Themen; die erste in der „Kritischen Ausgabe“ erschlossene Korrespondenz aus dem Umfeld der ‚jüngeren Romantik‘); der Germanist Friedrich Heinrich von der Hagen (21 Briefe; ein Konkurrenzverhältnis mit Methodenstreitfragen); zwei Generationen der Familie von Raumer (ca. 128 Briefe, die als eine der wichtigsten biographischen Quellen zu den Grimms über ca. vierzig Jahre zu betrachten sind). Die zeitlich locker zusammenhängenden Korrespondenzen werden alphabetisch angeordnet.
Im zweiten Projektteil wird ein Arbeitsablauf für die halbautomatische Überführung der Texte und Apparate der „Kritischen Ausgabe“ in das Datenbanksystem www.grimmarchiv.de entwickelt. Es basiert auf einem Verzeichnis sämtlicher nachweisbarer Briefe der Grimms und enthält zahlreiche Metadaten (Datum, Absende-, Empfangs- und Aufbewahrungsorte, Personen, Entwürfe, Drucke, Anfangsworte etc.) sowie bereits 11.000 Originale in hochauflösenden Scans. Zudem existieren Module zu weiteren Materialien (Grimm-Bibliothek, Tage- und Notizbücher, Kalender, Museumsobjekte etc.). Eine Benutzeroberfläche entsteht derzeit.
So wird eine geeignete Referenz-Architektur geschaffen, um den Bestand der wissenschaftsverlässlichen „Kritischen Ausgabe“, umfangreich mit Zusatzmaterial kontextualisiert, weltweit im Open Access verfügbar zu machen.