Funding Funded Projects Johann Michael Moscheroschs ‚Gesichte Philanders von Sittewald´ – kommentierte Edition

Johann Michael Moscheroschs ‚Gesichte Philanders von Sittewald´ – kommentierte Edition

Die zeitkritische Moralsatire „Wunderliche und Warhafftige Gesichte Philanders von Sittewalt“ des Staatsmanns und Literaten Johann Michael Moscherosch (1601-1669), bestehend aus 14 lose zusammenhängenden Episoden in zwei Büchern, reflektiert sowohl die Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges als auch, damit untrennbar verknüpft, die im 17. Jahrhundert dominanten Bemühungen, die deutsche Sprache literaturfähig zu machen. Die „Gesichte“ wurden breit rezipiert, beeinflussten (u. a. über Grimmelshausen) den Beginn der deutschen Romanliteratur und bieten neben literatur- und zeit-, auch philosophie-, frömmigkeits- bzw. konfessions- und regionalgeschichtliche Aufschlüsse.

Im Rahmen des Projekts wird erstmals eine wissenschaftstaugliche kommentierte Edition der „Gesichte“ erarbeitet. Sie wird sämtliche von Moscherosch autorisierte Fassungen be­rücksichtigen und v. a. die komplexe Textgenese nach­vollziehbar machen. So z. B. entstand das erste Buch der „Gesichte“ aus einem komplexen Übersetzungsprozess heraus: Moscherosch passte eine französische, ihrerseits erweiter­te und veränderte Version der „Sueños“ von Francisco Quevedo (1628) übersetzerisch seinem lutherischen Zielpublikum an, fügte Zitate und eine Rahmenhandlung ein etc. Damit ist dieser Werkteil auch ein wichtiges Zeugnis der Übersetzungs-, Imitations- und Überbie­tungspraktiken, die die Anfänge der deutschen Literatur prägen. Im zweiten Buch (mit Moscheroschs eigenen Sittengemälden zum Soldatenleben, kulturpatriotisch an­ti-‚welschen‘ Invektiven etc.) kompliziert sich die Satire u. a. durch Selbstreferenzen auf den zweiten Teil. Beide Teile erfah­ren nach der Erstpublikation je drei weitere Druckfas­sungen, die der Autor jeweils markant überar­beitete und erweiterte.

Um diese Entstehungsdynamik in einer möglichst hand­habbaren Form abzubilden, wird die Ausgabe die editio princeps als Haupttext darbieten; in ihn werden spätere Erweiterungen integriert und dabei (voraussicht­lich mit Hilfe von Siglen) den Textzeugen zugeordnet. Beigefügt werden ein Übersetzungsapparat (für das erste Buch), der Mo­scheroschs Umgang mit der französischen Vorlage er­schließt, und ein fortlaufender Variantenapparat, der kleinere Veränderungen in Wortschatz und Syntax do­kumentiert.

Die Gratulationsgedichte anderer Autoren, die einer Usance des 17. Jahrhunderts gemäß in den „Gesichten“ mitabge­druckt wurden und v. a. für Netzwerkforschungen von In­teresse sind, werden ebenfalls wiedergegeben.

Die Einleitung wird über Biographie und Werk Moscheroschs, seine literaturhis­torische Bedeutung und die historischen Kontexte, Text­zeugen, Entstehungs-, Publikations- und Wirkungsge­schichte, Werkstrukturen etc. informieren. Der Kommentar integriert die bestehende Forschung zu Moscherosch und gibt sachliche, literarische und sprachliche Erläuterungen zu Namen, historischen und intertextuellen Bezügen, Quellen, mutmaßlich benützten Textausgaben, Stil, Rhetorik, schwer verständlichen oder mundartlichen Ausdrücken sowie Übersetzungen lateinischer, griechischer und französischer Passagen.

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