Funding Funded Projects Imperial recognition and ecclesiological compatibility: Frankish-Byzantine relations ca. 800-850

Imperial recognition and ecclesiological compatibility: Frankish-Byzantine relations ca. 800-850

Im Zentrum des Forschungsvorhabens stehen die diplomatischen Annäherungsversuche zwischen dem Frankenreich und dem Byzantinischen Reich in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts.

Trotz der Usurpation des Kaisertitels durch Karl den Großen im Jahr 800 – so die Ausgangsthese des Projekts – hat es in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts diplomatische Annäherungsversuche zwischen den karo­lingischen und den byzantinischen Herrschern gegeben. So legte von 810 bis 815 eine Reihe von Gesandtschaf­ten die meisten Streitpunkte zwischen Konstantinopel und der fränkischen Monarchie bei und beendete den jahrelangen Krieg um die Kontrolle der Adria (806-809). Die Versöhnungspolitik führte schließlich zum „Vertrag von Aachen“ (812), in dem Michael I. Karl dem Großen den Titel „Imperator“ bzw. „Basileus“ (nicht aber den Titel eines „Imperator Romanorum“) zuerkannte und damit zu einer Entschärfung des Zweikaiserproblems beitrug. Danach wurden weitere Friedens- und „Freund­schaftspakte“ geschlossen, eine kaiserliche Verlobung wurde erwogen, um ein dynastisches Bündnis zu be­siegeln, und die Reichssphären wurden aufgeteilt.

Die diplomatischen Annäherungsversuche prägten auch die internationale Politik Ludwigs des Frommen (814-40). So berichten etwa die fränki­schen Annalen von Saint-Bertin von der Ankunft einer byzantinischen Gesandtschaft im Jahr 839, „um den Friedensvertrag und die ewige Freundschaft und Liebe zu bestätigen“. Erst unter den Nachfolgern Ludwigs des Frommen scheinen sich die karolingisch-byzantinischen Beziehungen rasch verschlechtert zu haben.

Im Rahmen des Projekts werden insbesondere der Brief von Kaiser Michael II. an Ludwig den Frommen im Jahr 824 zur Frage der Bilderverehrung und die Antwort der Pariser Synode von 825 untersucht.

Ein auffälliges Merkmal von Michaels Brief ist sein Bekenntnis zu nur sechs ökumeni­schen Konzilien, womit er die ikonoklastische Synode von Hiereia (754), die sich selbst als die „siebte“ be­zeichnete, zurückwies. Indem er darauf verzichtete, Lehren oder Vorschriften über Kirchenbilder (Ikonen) als Dogmen der christlichen Orthodoxie zu definieren, legte er – so die Hauptthese – die Grundlage für eine „ekklesiologische Kompatibilität“ mit der karolingischen Kirche, d. h. dass beide Reichskirchen in Gemeinschaft bleiben könnten, wenn sie die ersten sechs ökumenischen Konzilien als Grundlage ihres ge­meinsamen Glaubens anerkennen und den Bilderstreit nicht als dogmatische Grundsatzfrage betrachten.

Im November 825 berief Ludwig der Fromme eine Gruppe von Bischöfen in Paris ein, um den Bilderstreit zu diskutieren. Während das in den 790er Jahren im Namen Karls des Großen verfasste „Opus Caroli regis“ Byzanz einen geheiligten Platz im Plan Gottes absprach und sein heidnisches Erbe anprangerte, betonten die Synodalen die gleichermaßen privilegierte Stellung beider Reiche. In Bezug auf das byzantinische und fränkische Gemeinwesen wurde hervorgehoben, dass „diese beiden Reiche, die ersten in der ganzen Welt, durch eine gegenseitige Liebe verbunden sind, die Gott wohlgefällig ist“ und derselben „Kirche der Römer und Griechen“ angehörten. Darüber hinaus bezeichneten die fränkischen Bischöfe den byzantinischen Staat als „Reich der Oströmer“ und Michael II. und Theophilos als die „erhabenen Kaiser der Römer“, die die universale Kirche nach Gottes Fügung „lenken“ und „regieren“, während das karolingische Reich als das „Reich der Franken“ erwähnt wurde. Daher kann der Libellus der Pariser Synode von 825 als ein „Schlüsseldokument“ für die Versöhnungsbemühungen des Frankenreiches (und der Römischen Kirche) angesehen werden.

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die ideologischen und religiösen Grundlagen zu untersuchen, die die ge­genseitige Anerkennung und Zusammenarbeit des Frän­kischen und Byzantinischen Reiches und der Kirchen in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts unterstützten. Während die Wechselwirkung dieser Aspekte seit langem anerkannt ist, werden die Bezie­hungen zwischen den beiden Mächten in der Geschichts­schreibung immer noch hauptsächlich im Lichte späterer Entwicklungen, wie z. B. der Propaganda um das „Große (morgenländische) Schisma“ (1054), betrachtet. Im Rahmen des Projekts wird deshalb auf der Basis zeitge­nössischer Quellen eine Neuinterpretation des Verhält­nisses von Frankenreich und Byzantinischem Reich in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts versucht, in­dem zum einen die Art und der Grad der Anerkennung des karolingischen Kaisertitels („Imperator“, „Imperator Romanorum“, „Socius Imperii“, „Basileus“, „Rex Franco­rum et Langobardorum“) durch Konstantinopel und zwei­tens die Grundsätze der fränkischen Anerkennung der byzantinischen Orthodoxie während des „Zweiten Bilder­sturms“ (815-43) in den Blick genommen werden.

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