Funding Funded Projects „I desire nothing but ancient things‟ – Paul Petau (1568-1614): ancient culture, na-tional identity and religious devotion. The first printed illustrated catalog of a private collection of antiquities: A comprehensive digital study

„I desire nothing but ancient things‟ – Paul Petau (1568-1614): ancient culture, na-tional identity and religious devotion. The first printed illustrated catalog of a private collection of antiquities: A comprehensive digital study

Im Mittelpunkt des Projekts steht der Jurist Paul Petau (1568-1614), der sich als Berater des Pariser Parlaments und als Sammler von Büchern, Antiquitäten und mittelalterlichen Münzen einen Namen gemacht hat.

Petau stand in ständigem Kontakt mit den einflussreichsten Antiquitätenhändlern und Politikern seiner Zeit und trug eine ungewöhn­liche Auswahl von europäischen Altertümern zusammen­. Auffallend ist die Heterogenität seiner Kunst- und Bibliotheksbestände, die Objekte aus un­terschiedlichen Ländern, Epochen und Objektkategorien umfassten – darunter Bronzen, Skulpturen, Münzen, Medaillen, Manuskripte, Druck­sachen und Bücher – und zudem eine besondere Vorliebe für Altertümer aus den damals jüngsten französischen Ausgrabungen erkennen lassen. Obwohl nicht nur die Sammlung selbst, sondern auch die von Petau 1610 herausgegebenen beiden Kata­loge seiner Sammlung große Beachtung fanden, sind Werk und Wirken des Gelehrten weitge­hend in Vergessenheit geraten. Daran konnten weder die drei Neuauflagen des Katalogs im 18. Jahrhundert etwas ändern, noch die überaus spannende Wirkungsgeschichte seiner Bücher­sammlung, die nach seinem Tod in Teilen in den Besitz von Königin Christina von Schweden (1626-1689) gelangte. Mögliche Gründe dafür, warum Werk und Katalog in Vergessenheit geraten sind, macht Prof. Pfisterer in der anhaltenden Kritik der Nachwelt aus, wobei Petaus Fähigkeiten als Graphiker bezweifelt und das Fehlen von Kommentaren und Quellenhinweisen moniert wurden. Die Frage, was Petaus Beweggründe für das Sammeln von Altertümern und die Veröffentlichung des Katalogs-Museums waren, konnte bislang jedoch noch nicht abschließend beant­wortet werden. An welches Publikum richteten sich die Kataloge, und woher rührte Petaus Interesse an mittelalterlichen Münzen?

Den marginalisierenden Einschätzungen der Nachwelt hält Prof. Pfisterer die enorme Bedeutung des Sammlungskatalogs entgegen, den er als Wendepunkt in der Geschichte der antiquarischen Kultur ansieht. Das 1610 herausgegebene Buch besteht aus zwei Teilen, den „Antiquariae Supel­lectilis Portiuncula“ (Drucke von kleinen Objekten) und den „Veterum Nummorum Gnōrisma“ (Drucke von römi­schen und frühmittelalterlichen Münzen), und stellt den ersten gedruckten illustrierten Katalog einer pri­vaten Antiquitätensammlung dar. Als erste Publikation dieser Art erlaubt der Katalog, den Ursprung der visuel­len Reproduktion antiker Objekte in privaten Kabinetten zu untersuchen und sich auf die verschiedenen Formen der Bildwiedergabe zu konzentrieren (Mehrfachansichten, Objekte in situ, Drucke von Manuskripten etc.). Die jeweiligen Titelblätter sind mit Bildern und Texten verse­hen, die von Petau selbst verfasst und gestaltet wurden. Auf dem Frontispiz des Gnōrisma, das eine Münze mit Mars Ultor zeigt, verglich er „Mars, den Rächer“ mit dem kurz zuvor in den Straßen von Paris ermordeten König Heinrich IV. In den Devisen der anderen Frontispize wird u. a. auf die Frömmigkeit, den Glau­ben und das Traditionsbewusstsein der dargestellten Perso­nen abgehoben. In ähnlicher Weise zeigt sich der Autor auch als traditionsverbundener Zeitgenosse, wenn er sein Konterfei unter das Motto „Cum nova tot quae­rant, non nisi prisca peto“ stellt („Obwohl viele nach Neuem streben, will ich nichts als das Alte“). Die Devi­sen und Texte sind bislang als Selbstbeschreibungen des Sammlers und Wissenschaftlers verstanden worden. Unbemerkt ist hingegen die darin mitschwingende politi­sche Botschaft geblieben, bei der der Autor seine Aver­sion gegen das „Neue“ durch die Verherrlichung des „Alten“ zum Ausdruck brachte. Gerade erst war das Edikt von Nantes beschlossen worden, das die französi­schen Religionskriege nach mehr als drei Jahr­zehnten beendet hatte und den Protestanten Toleranz garantier­te, als der französische König ermordet wurde. Es ist zu vermuten, dass Petau auf die Gegenwart ein­wirken und dem politischen Denken eine traditionsver­bundene Rich­tung geben wollte, ausgehend von den moralischen Grundsätzen der Vergangenheit, die er in den antiken Schriften wiederfand, und der Geschichte der Königs­krone, die sich auf den Vorder- und Rückseit­en der römi­schen und mittelalterlichen Münzen wider­spiegelte.

Im Rahmen der Studie möchte Prof. Pfisterer die Rolle von Paul Petau in der europäischen Kul­tur des frühen 17. Jahrhunderts ausführlich untersuchen und eine kommentierte kritische Online-Edition des Katalogs und der verschiedenen Editionen zwischen 1610 und 1757 vorlegen, wobei die abgebildeten Kunst­werke nach Möglichkeit auch identifiziert und die Prove­nienzen geklärt werden sollen. Darüber hinaus möchte er eine Open-Access-Publikation über Leben und Werk Petaus auflegen, die den Einfluss seiner Sammlung, seiner Bibliothek und seiner politischen Aktivitäten auf die europäische Kultur darstellt. Mit der Studie soll Petaus Beitrag als Antiquar und Gelehrter sowie als Vor­läufer eines Interesses an lokal-nationalen Alter­tümern im turbulenten Klima der historisch-politischen Umwälzungen in Frankreich an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert ausführlich nachgezeichnet werden.

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