Globaler Metallhandel im 16. Jahrhundert ‒ Von Europa nach Afrika und Indien
Anhand eines „geochemischen Fingerabdrucks“ könnten neue Erkenntnisse über den weltweiten Handel mit Metallen erlangt werden.
Die Geschichte des Bergbaus und der Gewinnung von Metallen mittels verschiedener metallurgischer Prozesse ist insbesondere im deutsch-österreichischen und englischen Raum bestens erforscht worden. Gleiches gilt für den globalen Handel mit Kupfer, Silber, Gold und Zinn, der zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert aufkam und bei dem u. a. Hamburg und Lissabon (Überseehandel) von großer Bedeutung waren. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Abbaugebiete und Veredelungsprozesse sowie über mitteleuropäische und interkontinentale Handelsrouten sind jedoch fast ausschließlich auf der Grundlage von historischen Überlieferungen und archivalischen Quellen gewonnen worden. Mit der Studie wird nunmehr eine zusätzliche Informationsquelle herangezogen. Dabei handelt es sich um Metallbarren und andere Metallobjekte, die in den letzten Jahren aus verschiedenen Schiffswracks geborgen wurden und die nunmehr erstmals im Zusammenhang betrachtet und mittels Isotopen- und Spurenelementanalysen untersucht werden.
Ziel ist es, einen geochemischen Fingerabdruck der Metallfunde zu ermitteln und bekannten Rohstoffvorkommen oder Fundorten zuzuordnen, um den frühneuzeitlichen Metallhandel (Halbprodukte von Kupfer, Zinn, Blei, Legierungen) zwischen Europa, Afrika und Indien auf naturwissenschaftlicher Grundlage neu aufrollen, metallurgische Technologien besser verstehen und die historischen Quellen und Beschreibungen ggf. korrigieren zu können. Prof. Hauptmann bezieht sich dabei auch auf ein mit Unterstützung der Stiftung in den Jahren 2017/18 durchgeführtes Projekt, bei dem die zuvor bereits archivierten Metallbarren des 1533 vor der Küste Namibias gekenterten portugiesischen Indienseglers „Bom Jesus“ geochemisch untersucht, Handelswege rekonstruiert und Provenienzen des für den Saigerprozess notwendigen Bleis geklärt werden konnten.
Anhand der in Namibia aufbewahrten Kupfer-, Blei- und Zinnbarren der „Bom Jesus“ (rund 2200 Stück, z. T. mit Fugger-Stempel versehen) und weiterer Metallfunde aus anderen Schiffswracks wird nunmehr der weltweite Handel mit Metallen einer erneuten Prüfung unterzogen. In diesem Zusammenhang wird eine Anzahl von etwa 200 Metallobjekten in den Laboratorien des Deutschen Bergbau-Museums auf Haupt-, Neben- und Spurenelemente untersucht und ggf. der jeweilige Anteil von Blei-, Kupfer- und Zinnisotopen bestimmt. Hierzu gehören Kupferbarren (Reißscheiben), die vor der Küste Helgolands gefunden wurden und die den Kupferbarren ähneln, die bei einer Grabung in der Elbe bei Wittenberg geborgen werden konnten. Prof. Hauptmann ermittelt die Provenienz und versucht zu klären, ob in den Elbe-Barren direkt produziertes Kupfer vorliegt, oder ob es sich um Metall handelt, das z. B. nach Entsilberung durch den Saigerprozess in den Handel gekommen ist. Zudem werden Kupfer- und Bleibarren aus dem Slowakischen Bergbaumuseum in Banska Stiavnica sowie Bleibarren und Manillen (afrikanische Buntmetall-Armringe, die offenbar als Zahlungsmittel im Sklaven-, Elfenbein- und Goldhandel fungierten) aus dem Schiffswrack der „Bom Jesus“ genauso analysiert wie die Manillen von einem vor San Sebastian 1524 gesunkenen Schiff, das wahrscheinlich von Antwerpen nach Lissabon unterwegs war. Darüber hinaus werden Kupferbarren aus Mosambik und Kenia, Beninbronzen aus verschiedenen Museumssammlungen in Deutschland, Kupferbarren aus einem im 17. Jahrhundert vor Terschelling gesunkenen Schiff und Manillen aus der Rüsselsheimer Privatsammlung von Rolf Denk untersucht und analysiert.
Die gewonnenen Daten und Erkenntnisse werden sodann mit den bereits vorhandenen Datenbanken u. a. des Deutschen Bergbau-Museums in Bochum abgeglichen.