Geschichte des Stencils in der Street Art
Unter den verschiedenen Kunstformen der Street Art, die von Papierarbeiten über freihändig gesprühte Werke bis hin zu reliefartigen Arbeiten und Skulpturen oder gar Performances und Videos reichen, sind vor allem die mittels Schablone auf Häuserwände gesprühten Bilder bekannt.
Obwohl den urbanen Straßenbildern in den letzten Jahren größere Aufmerksamkeit zuteilwurde, nicht zuletzt aufgrund der aufsehenerregenden Beispiele des Briten Bansky – einem der Hauptvertreter der aktuellen Street Art –, sind die Ursprünge der zugrunde liegenden Schablonentechnik bislang weitgehend unerforscht geblieben.
Da sowohl die Motive als auch die Wahl von Schriftarten, Untergründen und Anbringungsorten nur im Zusammenhang mit der künstlerischen Technik zu verstehen sind, zeichnet Dr. Blanché die historische Entwicklung von Stencils/Schablonen/Pochoirs insbesondere in Deutschland, Frankreich, England, Polen und den USA nach 1960 nach. Wie fand die seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Kontext von Außenwerbung, Schildermalerei, Verpackungsbeschriftung (u. a. für das Militär) verwendete Technik Eingang in die Bereiche politischen Widerstands, Propaganda, bildender Kunst und Street Art? Ferner werden die Anwendung der Schablonentechnik in der Pop Art (Robert Rauschenberg, Andy Warhol, Sigmar Polke) genauer untersucht und die Verbreitungswege über die Politpunk-Szene der 1970er-Jahre verfolgt, wobei Irrtümer über Vorbilder und Pioniere zu korrigieren, die internationalen Wechselbeziehungen darzustellen und die unterschiedlichen Entwicklungen in den Ländern mit den jeweiligen politischen Besonderheiten und künstlerischen Motiven herausgearbeitet werden. Dr. Blanché möchte zeigen, dass nicht nur inhaltlich und formal, sondern auch personell eine Entwicklungslinie des Schablonenbildes vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart gezogen werden kann.