Funding Funded Projects Festmusik und Tanzkultur in Mali: Soziale Effekte multimodaler rhythmischer Koordination

Festmusik und Tanzkultur in Mali: Soziale Effekte multimodaler rhythmischer Koordination

Ausgangspunkt des Vorhabens ist die Annahme, dass im Kontext von Festen und Ritualen der Prozess des Entrainment, heißt die Synchronisation rhythmisch koordinierter Interaktion, als Ausdruck expressiver Performanz eine anthropologische Konstante ist. In diesem Zusammenhang betont die geisteswissenschaftliche Forschung, dass Entrainment eine zentrale Bedeutung in der performativen Herstellung von Gemeinschaft und Gesellschaft zukommt, insbesondere im kulturellen Handlungsrahmens des Festes und des Rituals.

Vor diesem Hintergrund wurde in der aktuellen Forschung die These aufgestellt, dass rhythmisch koordinierte Interaktion wie Tanzen, Musizieren, Rudern oder beispielsweise Schaukeln prosoziale Effekte wie Empathie, Zugehörigkeit und Hilfsbereitschaft bedingt. Sozialpsychologische Laborexperimente belegen dies nicht nur, sondern nuancieren auch. Das interdisziplinäre Projekt hat dahingehend zum Ziel, ein besseres theoretisches Verständnis des Aufforderungscharakters von Rhythmus für die Konstitution von Intersubjektivität und Sozialität zu schaffen. Damit werden die Funktion und Bedeutung von Rhythmus für das menschliche Zusammenleben in Kultur und Gesellschaft untersucht.

Untersuchungsort ist das südliche Mali. Hier werden mittels multimodaler Ethnographie in mehreren, vergleichend angelegten Fallstudien tanzfestkulturelle Praktiken analysiert. Die musikalischen Genres unterscheiden sich dabei in der Stilistik, nämlich Trommelensembles, Popmusik und elektronische Tanzmusik, sowie den Milieus der Teilnehmerschaft, i. e. ländlich und urban, altersgruppenübergreifend und jugendkulturell. Trotz dieser Unterschiede gibt es jedoch Ähnlichkeit in einem grundlegenden Aspekt der Interaktionsstruktur: Auch wenn Genre und Milieus Unterschiedlichkeiten aufzeigen, erlaubt die Teilnahme in jedem Fall Partizipation an der Tanzperformanz. Dieses Ineinandergreifen von Darbietung und Partizipation bedingt eine stark ausgeprägte Rhythmisierung und Synchronisierung der gesamten Veranstaltung.

Methodisch und konzeptionell ist das Projekt an der Schnittstelle von Musik-, Tanz- und Medienethnologie, Performanzstudien, Interaktionssoziologie und Anthropologie verortet. Dabei wird die multimodale Komplexität der Genres systematisch berücksichtigt, d. h. die wissenschaftliche Bezugnahme ist gleichzeitig auf die Interaktion von Tanz, Instrumentalmusik, Gesang und intensiver Publikumsbeteiligung sowie auf die Integration visueller, auditiver und kinästhetischer Wahrnehmung ausgelegt.

Eine weitere Besonderheit des Ansatzes liegt darin, dass die theoretische Ausrichtung der ethnographischen Forschung auch die umfangreiche sozialpsychologische Literatur integriert. Durch diese theoretische Verflechtung der eng geführten Fragestellung und der multimodalen Ethnographie beabsichtigt Dr. Polak, der anthropologischen Thematik des Verhältnisses von Fest und Ritual zu Gemeinschaft und Gesellschaft neue, innovative Impulse zu verleihen.

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