Funding Funded Projects Farmers without borders: Ecological perspectives on the spread of animal husbandry from the Mediterranean to southeast Europe (6500‒5500 BC)

Farmers without borders: Ecological perspectives on the spread of animal husbandry from the Mediterranean to southeast Europe (6500‒5500 BC)

Im Rahmen der Studie werden die ökologischen, biologischen und soziokulturellen Faktoren unter-sucht, die für eine schnelle Verbreitung der Viehzucht auf dem Balkan gesorgt haben.

Die Domestizierung von Pflanzen und Tieren in der semi-ariden mediterranen Klimazone, die als neolithische oder landwirtschaftliche Revolution bezeichnet wurde, hat reichen Niederschlag in der archäologischen Literatur gefunden. Es gibt verschiedene Theorien darüber, welche Faktoren zur Veränderung der Lebensweise im Neolithikum geführt haben. Entscheidend bei der Verbreitung der Sesshaftigkeit, die das Zeitalter der Jäger und Sammler abgelöst hat, ist jedoch die Fähigkeit der Bauern gewesen, die Getreide- und Tierarten aus ihrer alten Heimat an die bioklimatischen Umweltbedingungen ihrer jeweils neuen Heimat anzu­passen. Die früheste erfolgreiche Einführung und An­passung von Haustieren, die Bauern bei ihrer Wande­rung aus ihrem ursprünglichen Heimatland (Kleinasien, Ägäis) mitgebracht haben, erfolgte auf dem Balkan im Verlauf des frühen sechsten Jahrtausends v. Chr. Innerhalb weniger Jahrhunderte haben sich landwirtschaftliche Pioniere von hier aus nach Norden in die kühleren und niederschlagsreicheren Ge­biete vorgewagt. Dabei dürften die Erfahrungen, die in den frühen Jahren nach der Einwanderung auf dem Balkan gemacht wurden, wegweisend für die europa­weite Verbreitung der ursprünglich mediterranen Nutztiere und Kulturpflanzen gewesen sein. Der Balkan kann in diesem Zusammenhang als „Labor“ für die Anpassung der mediterranen Landwirtschaft an die nördlicher gelegenen Umweltbedingungen verstanden werden.

Im Rahmen der Studie werden die ökologi­schen, biologischen und soziokulturellen Faktoren unter­sucht, die für eine schnelle Verbreitung der Vieh­zucht auf dem Balkan gesorgt haben. Im ersten Schritt geht es darum, die vorhandenen und zur Ver­fügung gestellten bioarchäologischen Informationen und die damit verbundenen archäologischen und radiometri­schen Daten aus der Anfangsphase der Landwirtschaft in Südosteuropa zu sammeln, zu evaluieren und die Daten­grundlage zu verbreitern. Die organischen Rück­stände an Keramiken werden erfasst und Stabil-Isotopen-Analysen an tierischen Zähnen und Knochen durchgeführt. Anhand von naturwis­senschaftlich belegbaren Daten soll so gezeigt werden, wie die Tiere in welchem Umfeld gehalten wurden (Wald, freie Land­schaft), wann und wie sich die Zuchtweisen geändert haben, welche Tierarten wo und warum bevorzugt wurden und aus welchen Gründen in den höheren Lagen des Balkans die Viehzucht tendenziell auf eine Tierart zugeschnitten wurde. Lässt sich anhand des Probenma­terials feststellen, ob sich der Übergang von der Fleisch- zur Milchwirtschaft abrupt oder allmählich vollzogen hat? In diesem Zusammenhang wird untersucht, ab wann die Bauern über gezieltes Schlachten der männli­chen Jungtiere die Milch- gegenüber der Fleischproduk­tion intensiviert haben. War der Anstieg der Rinderhal­tung in den bewaldeten Bereichen des Balkans mit der Intensivierung der Milchproduktion verbunden?

Im dritten Schritt werden lokale Klimaproxys, die u. a. vom Gehalt schweren Wasserstoffs (Deuterium) in den Analyseproben abgeleitet werden können, einbezogen, um das Paläoklima auf der Grundlage biomole­kularer Datensätze beschreiben und im Zusammenhang mit den übrigen Daten aus Biologie, Archäologie und Paläoökologie statistisch auswerten zu können. Im Er­gebnis könnte erstmals zuverlässig festgestellt werden, wo die Innovation unter welchen ökologischen Umstän­den in der Landwirtschaft stattgefunden hat und welche Szenarien die wahrscheinlichsten für die schnelle Nordausdehnung der Bauern um 6000 v. Chr. waren.

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