Epigenetic Inheritance of diabetes in mammals
Übergewicht und Diabetes sind weltweit auf dem Vormarsch und treten häufig mehrfach in derselben Familie auf. Dennoch konnte man nur wenige DNA-Abweichungen (Mutationen) finden, die mit dem Krankheitsbild assoziiert sind.
Mittlerweile sprechen immer mehr Befunde dafür, dass hier epigenetische Vererbung eine Rolle spielt, d. h. Umwelteinflüsse, die auf die Eltern einwirken, verändern deren Genaktivität, und das so entstandene Aktivitätsmuster findet sich zumindest teilweise auch bei den Nachkommen wieder. Angesichts der Tatsache, dass die Genaktivität in der befruchteten Eizelle umfassend neu programmiert wird, ist allerdings bisher nicht klar, durch welche molekularen Mechanismen die epigenetische Beibehaltung der Genaktivität vermittelt wird. Die epigenetische Übertragung insbesondere von mütterlicher Seite ist aber in vielen Fällen belegt. Weniger klar ist, ob und wie sie auch von väterlicher Seite erfolgt, denn in der Samenzelle sind nur wenige Genregulationsmoleküle enthalten.
Dr. Teperino beschäftigt sich also mit der epigenetischen Vererbung von Stoffwechselstörungen insbesondere von väterlicher Seite. Unter anderem konnte er an einem Mausmodell nachweisen, dass Übergewicht des Vaters auch die Nachkommen anfällig für Übergewicht macht. Zu ähnlichen Befunden gelangten auch epidemiologische Studien an Menschen. Bei den Mäusen kommt es dabei zur Fehlfunktion eines Proteinkomplexes namens Polycomb (PRC), der über die Struktur des DNA-Protein-Komplexes (Chromatin) mitbestimmt. Welche Signale der PRC-Aktivität vor- und nachgeschaltet sind, ist bisher jedoch nicht bekannt.
Im Rahmen des Forschungsprojektes wird deshalb genauer untersucht, welchen Regulationseinflüssen PRC unterliegt. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Genregulationsenzyme aus der Klasse der Kinasen namens Ampk und Akt. Diese wirken bekanntermaßen an Signalübertragungsmechanismen im Rahmen von Stoffwechselstörungen mit. An geeigneten gentechnisch veränderten Mäusen sollen mit molekularbiologischen, physiologischen, biochemischen und embryologischen Methoden folgende Fragen beantwortet werden:
- Wie verändern sich die Genaktivitätsmuster bei Vater und Nachkommen, wenn man Ampk und/oder Akt gezielt ausschaltet? Wirkt sich eine solche Inaktivierung auf den Fettstoffwechsel und die Entstehung von Übergewicht bzw. Diabetes aus?
- Welche Gene von Vätern und Nachkommen ändern ihre Aktivität unter dem Einfluss der Ernährung auf dem Weg über Ampk/Akt und PRC? Welche Unterschiede bestehen unter diesen Bedingungen zwischen den gesamten Genaktivitätsmustern von Vater, frühem Embryo und ausgewachsenem Nachkommen?
Insgesamt möchte Dr. Teperino neue Aufschlüsse über die Bedeutung von Ampk, Akt und PRC für die epigenetische Vererbung von Fettleibigkeit und Diabetes gewinnen. Möglicherweise lassen sich damit erstmals Anhaltspunkte dafür aufzeigen, wie sich eine epigenetische Vererbung dieser Krankheiten verhindern lässt.