Edition und kritische Kommentierung von Erhard Weigels Schrift „Astronomiae Pars Sphaerica Methodo Euclidea conscripta“
Erhard Weigel (1625-1699), Mathematiker, Astronom und Philosoph aus Jena, hatte als Lehrer von Leibniz und Pufendorf nicht nur bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung des philosophischen Denkens im 17. und 18. Jahrhundert, sondern gilt auch als geistiger Wegbereiter eines realiengestützten Schulunterrichts sowie des Akademiegedankens.
Als Gelehrter von universellem Format beschränkte Weigel sein Tätigkeitsfeld nicht auf sein engeres Lehrfach, die Mathematik. Die dort praktizierten Methoden sollten, entsprechend dem rationalistischen Ideal einer „mathesis universalis“, auf alle Wissensbereiche angewandt werden und dort den Weg zu gesicherter Erkenntnis eröffnen. Den Ausgangspunkt bildete ein pythagoreisch-platonisch interpretierter Aristoteles, dessen Logik- und Beweislehre von Weigel als Verallgemeinerung der geometrischen Analysis begriffen wurde. Da das Wissen um die mathematischen Grundlagen seines Denkens unter seinen Nachfolgern und Auslegern weitgehend verlorengegangen war, sollte die Wiederherstellung der aristotelischen Philosophie unter Rückgriff auf die alten Mathematiker, insbesondere auf Euklid, erfolgen.
In dem zuerst 1657 erschienenen Werk „Astronomiae Pars Sphaerica Methodo Euclidea conscripta“ wendet Weigel seine aristotelisch-euklidische Methode, welche den Universalanspruch des „mos geometricus“ auf eine Reinterpretation der aristotelischen Analytiken gründet, erstmals auf eine Einzelwissenschaft an. Das Werk ist nach der euklidischen Methode in drei Teile bzw. Bücher gegliedert, von denen das erste die Definitionen (mit zugehörigen Scholien), das zweite die Beweisprinzipien und das dritte die Lehrsätze behandelt. Sein im Jahr darauf erschienenes wissenschaftstheoretisches Hauptwerk „Analysis Aristotelica ex Euclide restituta“ verweist häufig auf die „Astronomiae Pars sphaerica“, um in der wissenschaftstheoretischen Schrift behandelte Satz- und Beweisarten durch Beispiele aus der sphärischen Astronomie zu verdeutlichen.
Der in zwei Ausgaben (1657 und 1688) erschienene Text, von denen die Erstausgabe als Basisausgabe dient, wird nun durch einen doppelten Kommentar erschlossen: durch einen Fußnotenkommentar zu philologischen Fragen bzw. mit Variantenapparat und durch einen Sachkommentar im Anhang. Zudem wird ein Namens- sowie ein Sachindex angelegt, um die Orientierung im Text zu erleichtern. Eine wissenschaftliche Einleitung wird Entstehungsgeschichte, Aufbau und Inhalt der Schrift, ihre Stellung im Rahmen des Gesamtwerkes sowie den bisherigen Forschungsstand aufzeigen.
Die kritisch kommentierte Werkausgabe in acht Bänden, an der Dr. Behme als alleiniger wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitet, wird mit der Edition der „Astronomiae Pars Sphaerica Methodo Euclidea conscripta“ abgeschlossen werden.