Funding Funded Projects Disruptive Technologien: Eine soziologische Studie zur Neuvermessung der Gesellschaft durch Clean Meat, Social Freezing und Digitale Assistenten

Disruptive Technologien: Eine soziologische Studie zur Neuvermessung der Gesellschaft durch Clean Meat, Social Freezing und Digitale Assistenten

Prof. Laux untersucht aus soziologischer Perspektive, wie sich technisches Design und soziale Erwartungen im Rahmen von Innovationsprozessen miteinander verschränken.

Technische Innovationen, wie das Einfrieren weiblicher Eizellen zur Konservierung von Kinderwünschen, können bestehende Wertvorstellungen in Frage stellen und ge­sellschaftliche Konflikte auslösen oder bestärken. Dis­ruptive Technologien versprechen zwar die Lösung ge­sellschaftlicher Bezugsprobleme; sie müssen jedoch auf ein gewisses Maß an gesellschaftlicher Akzeptanz sto­ßen, um erfolgreich zu sein. Prof. Laux untersucht daher aus soziologischer Perspektive, wie sich technisches Design und soziale Erwartungen im Rahmen von Innovationsprozessen miteinander ver­schränken.

Die bisherige Forschung hat Innovationen vor allem aus technologischer oder ökonomischer Perspektive be­handelt. Die wenigen soziologischen Analysen sind sehr abstrakt oder zukunftsbezogen geblieben. Prof. Laux untersucht daher real in Entwicklung befindliche Technologien, wodurch die Konfliktlinien in der Praxis erfasst werden können. Dazu wurden drei aktuell in der Entwicklung befindliche Innovationen als Fallstudien ausgewählt: die Her­stellung von Fleisch in Laboren (sogenanntes Clean Meat), digitale Assistenten mit künstlicher Intelligenz (wie Alexa, Siri oder Google Assistant) und die Konser­vierung weiblicher Eizellen, um spätere Kinderwünsche zu erfüllen (sogenanntes Social Freezing).

Es wurden drei Ziele definiert, die jeweils von verschiedenen Arbeitshypothesen und For­schungsfragen geleitet werden. Laut der ersten Grund­annahme weichen die benannten Technologien die bisher von der Natur vorgegebenen Grenzen auf. Durch eine schockgefrostete und über Jahrzehnte eingelagerte Ei­zelle, die außerhalb des Mutterleibes überlebt, kann z. B. das gebärfähige Alter von Frauen deutlich ausgeweitet werden. Diese Veränderung kann als zivilisatorische Errungenschaft oder unangemessener Eingriff in die Natur gesehen werden. Um diese gesell­schaftlichen Konfliktlinien nachzuvollziehen, werden die folgenden drei Forschungsfragen bearbeitet: Welche Emotionen werden durch die technologischen Errungenschaften ausgelöst? Welche Strategien der öf­fentlichen (De-)Legitimierung werden von verschiedenen Gruppierungen verfolgt? Wie beeinflussen diese Innova­tionen unsere Selbst- und Weltbeschreibungen?

Die zweite Grundannahme lautet, dass die Innovationen die gesellschaftlichen Zeitstrukturen verändern. Bspw. erreicht die Delegation von Tätigkeiten an digitale As­sistenten eine Zeitersparnis für den Nutzer. Zu dieser Annahme wird untersucht, welche Gruppen profitie­ren und welche unter diesen potentiellen Veränderungen Nachteile erleben. Zudem wird untersucht, welche unbe­absichtigten Konsequenzen auftreten.

Drittens wird untersucht, wie gesellschaft­liche Bedenken Einfluss auf die Gestaltung der innovati­ven Produkte nehmen. Die Fallauswahl deckt Technolo­gien mit verschiedenen Entwicklungsstufen ab. Zu allen dreien sind jedoch noch viele Spezifikationen der Technologien offen. Daher ist es möglich, dass in der Ausgestaltung dieser Details die sich abzeichnenden Wi­derstände adressiert werden. Hierzu werden zwei wei­tere Forschungsfragen formuliert: Inwiefern werden Hoffnungen und Ängste im Rahmen von technischen und betriebswirtschaftlichen Entwicklungsprozessen berück­sichtigt? Welche Strategien bestehen, um öffentliche Ak­zeptanz zu erzielen?

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