Funding Funded Projects Digitale Selbstbestimmung: Transdisziplinäre Konzepte individueller und kollektiver Aufklärung, Mündigkeit und Souveränität in der postdigitalen Gesellschaft

Digitale Selbstbestimmung: Transdisziplinäre Konzepte individueller und kollektiver Aufklärung, Mündigkeit und Souveränität in der postdigitalen Gesellschaft

Es handelt sich hierbei um ein interdisziplinäres Rechercheprojekt zu einem Glossar der digitalen Selbstbestimmung, das die seit 2018 bestehende Zusammenarbeit der drei am Projekt beteiligten Kooperationspartner aus dem Medienrecht, der Medienökonomie und Medienwissenschaft fortsetzt.

Ziel dieses Projekts ist es, Konzepte digitaler Selbstbe­stimmung in drei Stufen zu erschließen:

  • Die quantitative und qualitative diskursanalytische Re­konstruktion von Begriffen und Modellen der Mündig­keit, Aufklärung oder Souveränität in der postdigita­len Gesellschaft, die sowohl verschiedene Fachdiskur­se als auch publizistische und in sozialen Medien re­präsentierten öffentliche Diskurse berücksichtigt
  • Die Zusammenführung dieser Modelle in eine kritische transdisziplinäre Debatte
  • Die Vermittlung dieser Debatte und ihrer Ergebnisse zwi­schen verschiedenen Fachdiskursen und einer inte­ressierten Öffentlichkeit

Die digitale Transformation verhieß zunächst ein Glücks- und Freiheitsversprechen dahingehend, dass Menschen sich scheinbar ohne Barrieren weltweit äu­ßern, Informationen und Bildungswerkzeuge aus beliebi­gen Quellen abrufen, überprüfen, verbessern und wiede­rum teilen konnten. In einer postdigitalen Gesellschaft, so die Annahme, scheint die Selbstbestimmung von In­dividuen und Gruppen mühelos lebbar zu sein. Diese Hoffnungen sind jedoch einer Desillusionierung gewichen. Soziale, politische und ökonomische Transformationen sind mit intensiven Ängsten verbunden. Einerseits ist pragmatische Nutzung neuester Technologien in integrierten Routinen alltäglich geworden, andererseits ist sie „Gegenstand apokalyptischer Sorgen um die durch sie bestimmte Gegenwart und Zukunft“. Der öffentliche Diskurs zeigt sich populistisch und fragmentiert. Man kann entgrenzte Des- und Missinformationsverbrei­tung und das Potential totaler und totalitärer Überwa­chung beobachten. Die Aufmerksamkeit wird manipuliert, man be­fürchtet Suchtpotential und psychische Auswirkungen, besonders bei Jugendlichen.

Das Projektteam ist der Ansicht, dass nur ein genuin interdisziplinärer Ansatz diesen Phänomenen begegnen könne. Im Rahmen des Projekts bearbeitet es daher Fragen der juristischen und politischen Regulierung sowie der ökonomischen Bedingungen und Konsequenzen in ihrem Wechselverhältnis zu den medientechnologischen Voraussetzungen und ihrer kulturell variablen Konstruktion.

An öffentliche und Fachdiskurse anschließend betonen die beteiligten Wissenschaftler die Notwendigkeit des in­terdisziplinären Dialogs und der Begegnung mit einer fachlich nicht spezialisierten Öffentlichkeit. Insbesondere sei digitale Souveränität zu einem Brennpunkt zahlrei­cher Kontroversen geworden. Sie betrachten es als unumgänglich, das Konzept eines selbstreflektierenden und selbstbestimm­ten Subjekts zu erwägen, wenn digitale Aufklärung in Fortsetzung der historischen Idee der Aufklärung ver­standen werden soll. Forderungen nach digitaler Aufklä­rung fänden sich in Bildungsprogrammen, Manifesten, Erklärungen und Regierungsprojekten. Es sei unklar, was ein selbstbestimmter Akt sein könne, wenn eine Aktion in einer Handlungsumgebung nur möglich werde, wo Menschen, Maschinen, Algorithmen und Datenbanken zu­sammenträten. Das Feld sei in den „Konkurrenzen zwi­schen individueller Ermächtigung und Überforderung, zwischen infrastruktureller Unabhängigkeit und ökono­mischem Protektionismus und zwischen staatlichem Schutz von Individuen und Autoritarismen“ schier un­übersichtlich.

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