Die politische Ökonomie der E-Mobilität. Eine Analyse zu den Potentialen und Hindernissen in der Transformation zu einer nachhaltigen Verkehrspolitik in Deutschland und der Europäischen Union
Der globale Klimawandel und die zunehmende Luftverschmutzung in urbanen Ballungsgebieten machen eine Reform des Verkehrssektors weg von fossilen Brennstoffen immer dringlicher. Vor diesem Hintergrund wurde Elektromobilität in den letzten Jahren verstärkt als ein Lösungsweg gehandelt.
Die Europäische Union und die Bundesrepublik Deutschland verstehen sich als Vorreiter einer globalen Umweltpolitik und haben sich ehrgeizigen Zielen der Reduktion von Treibhausgasemissionen verschrieben. Gerade in Deutschland ist im Verkehrsbereich jedoch noch keine nennenswerte Abkehr von der automobilen, fossil betriebenen Mobilität zu verzeichnen.
Während zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zu Konflikten rund um die Automobilität und dem Wandel zur E-Mobilität vorliegen, fehlt eine polit-ökonomisch fundierte Analyse des Wandels zur E-Mobilität, die die Interdependenzen der deutschen, europäischen sowie ressourcenpolitischen Dimensionen reflektiert. Prof. Brunnengräber und Dr. Haas möchten diese Forschungslücke schließen helfen, indem sie der Frage nachgehen, welche Parameter den Übergang hin zu E-Mobilität begünstigen oder hemmen.
Das Projekt ist im Forschungsfeld der Transitions- und Nachhaltigkeitsstudien verortet. Theoretisch stützen sich Prof. Brunnengräber und Dr. Haas auf eine polit-ökonomisch fundierte Analyseperspektive in Anlehnung an Antonio Gramsci. Dieser verstand die Sphäre des Politischen als ein Ringen um Hegemonie. Die Vorherrschaft wird nicht primär durch Zwang, sondern durch Zustimmung aufgrund von materiellen Zugeständnissen durchgesetzt. Am Beispiel der Vorherrschaft der Automobilität wird auf eine kulturelle Verankerung oder kompromissvermittelte Bündnispolitik zwischen Arbeitskräften, Autokonzernen und Konsumenten verwiesen. Eine Krisensituation wie der Klimawandel kann dazu genutzt werden, die Herrschaftsverhältnisse dynamisch zu erneuern oder zu revolutionieren.
Zudem wird ein analytischer Dreischritt zu Kontextbedingungen, Akteuren und Prozessen gewählt. Die Kontextanalyse umfasst die Strukturbedingungen und institutionellen Konfigurationen. Die Akteursanalyse ermittelt die zentralen Akteure, ihre Interessen, Strategien und Interaktionsmuster. Die Prozessanalyse beschäftigt sich mit der Politikgestaltung und den dahinter liegenden Auseinandersetzungen.
Dieser analytische Dreischritt wird verbunden mit einer ressourcenpolitischen Dimension. Prof. Brunnengräber und Dr. Haas zufolge löst der Wandel zu E-Mobilität eine Rekonfiguration der automobilen Wertschöpfungskette aus. So sind in der Herstellung von E-Mobilen Rohstoffe, wie Seltene Erden und Lithium, notwendig, die hauptsächlich in China oder dem Dreiländer-Eck von Argentinien, Chile und Bolivien zu finden sind. Hierbei werden die Ansätze der globalen Wertschöpfungskette (Global Value Chain) und der globalen Produktionsnetzwerke (Global Production Networks) verwendet, die die Rolle von transnationalen Firmen in der internationalen wirtschaftlichen Verflechtung herausstellen.