Funding Funded Projects Die Lageberichte der Geheimen Staatspolizei über die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin 1933 bis 1936, Teilband II: Reichshauptstadt Berlin

Die Lageberichte der Geheimen Staatspolizei über die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin 1933 bis 1936, Teilband II: Reichshauptstadt Berlin

Die Gründung des Geheimen Staatspolizeiamts (Gestapo) im März 1933 zählte zu den ersten Maßnahmen des kommissarisch eingesetzten preußischen Innenministers und späteren Ministerpräsidenten Hermann Göring zur Beobachtung, Verfolgung und Terrorisierung der politischen Gegner in Preußen.

1934 übernahm Heinrich Himmler die Leitung der Gestapo und sorgte für eine enge Verbindung mit der SS. „Geheim“ war die Gestapo allerdings nur dem Namen nach, denn es wurde bewusst dafür gesorgt, dass ihre Existenz allgemein bekannt war. Dies sollte die Angst in der Bevölkerung schüren und ließ die Adresse in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße 8 zu einem gefürchteten Ort werden.

Die „Lageberichte“ der Gestapo sind eine wertvolle Quelle, weil sie die Reaktionen der Bevölkerung auf die Maßnahmen des NS-Staates aus der Binnenperspektive der Polizei wiedergeben. Polizei­spitzel, verdeckte Ermittler, aber auch Personal aus Be­hörden wie dem Finanz- und Arbeitsamt trugen die In­formationen zusammen, die nach einem festgelegten Muster in die Berichte einflossen. Unter Beobachtung standen die politische Opposition, die jüdische Bevölke­rung, der Kirchenkampf beider Konfessionen sowie weitere weltanschauliche Gruppierungen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt und die Stimmung in den Betrieben wurden ebenso erörtert wie die Versorgung mit Lebens­mitteln und Gebrauchsgütern. So entstanden vielschich­tige Stimmungsbilder aus der Bevölkerung während der Konsolidierungsphase der NS-Herrschaft, die als Quelle zur Erforschung des Dritten Reiches wichtig sind. Von besonderem Wert sind die monatlichen Berichte über Berlin, weil die Reichshauptstadt symbolhafte Bedeutung für das Regime besaß. Sich im „roten Berlin“ politisch zu behaupten und insbesondere die Arbeiterschaft zu ge­winnen, war eine conditio sine qua non für die NS-Herrschaft.

Das Forschungsvorhaben zielt auf eine historisch-kritische Edition dieser Berichte, die verstreut in drei Berliner Archiven überliefert sind und nun der Forschung sowie einer größeren Öffentlichkeit leicht zugänglich ge­macht werden sollen. Es handelt sich um Grundlagenfor­schung für weitere Arbeiten zur Geschichte von staatli­chem Terror und Gewalt in der Zeit des Nationalsozia­lismus, nicht nur für Berlin, sondern auch darüber hinaus.

Die Gestapo-Lageberichte für Berlin liegen nur lücken­haft vor. Vieles wurde im Parteiarchiv der SED durch eine rigorose Kassationspraxis vernichtet. Die entstan­denen Lücken sollen durch die Berichte des Berliner Poli­zeipräsidenten, die ebenfalls auf staatspolizeilichen Er­mittlungsergebnissen beruhen, ergänzt werden.

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