Die Höhlennekropole von Românești (Banat, Westrumänien): Erschließung eines einzigartigen bioarchäologischen Archives der bronzezeitlichen Bevölkerung Südosteuropas
Die Höhlennekropole Peștera Românești liegt im Kreis Timiș, Banat, im oberen Bega-Becken auf 370 m ü. M.; von ihrem nach Norden geöffneten Eingang führt die rund 1.450 m lange Höhle in eine etwa 70 m lange Haupthalle. Frühere archäologische Untersuchungen ab 1873 galten vornehmlich paläolithischen Schichten; eine systematische Erforschung blieb aus und wurde erst 2023 bis 2025 durch die projektbeteiligten Institutionen in Angriff genommen.
In drei Feldkampagnen wurde ein präziser Höhlenplan mittels Lidarscan und Fotogrammmetrie erstellt, wobei die Untersuchung der Haupthalle eine ausgedehnte Nekropole mit mindestens 130 Gräbern zutage brachte: steinbedeckte Gruben mit Einzel- und Kollektivbestattungen in Sekundärlage, Knochenansammlungen in Wandnischen sowie mindestens ein Tumulus. Fünf Gräber wurden bislang vollständig ausgegraben; drei Radiokarbondatierungen weisen ins 15.–13. Jahrhundert v. Chr. und bringen die Funde mit der Balta-Sărată-Kulturgruppe in Zusammenhang, während archäologische Begleitfunde eine längere Belegung von der Kupfer- bis in die frühe Eisenzeit andeuten.
Im Banat löste während der Spätbronzezeit die Kremation die Körperbestattung weitgehend ab. Die Höhle von Românești stellt den bislang einzigen bekannten Fall mehrstufiger Sekundärbestattungen dieser Epoche in der Region dar und wirft grundlegende Fragen nach sozialer Sonderstellung, kultureller Kontinuität und der symbolischen Bedeutung des Höhlenraums auf. Auch im weiteren europäischen Kontext mangelt es bei Höhlenbestattungen häufig an systematischen bioarchäologischen Untersuchungen – ein Defizit, dem aktuelle Projekte etwa in der Fränkischen Alb oder der Blätterhöhle in Westfalen erfolgreich begegnen.
In den Grabungskampagnen werden rund 30 Bestattungskomplexe stratigraphisch freigelegt und mittels 3D-Photogrammetrie sowie GIS-gestützter Dokumentation erfasst. Mithilfe physisch-anthropologischer Analysen, Artefaktauswertung, Archäozoologie, Makrobotanik und Palynologie soll ein umfassendes Bild von Wirtschaft, Umwelt und Ritual gezeichnet werden: Isotopenanalysen rekonstruieren Ernährung und Mobilität, archäogenetische Untersuchungen mittels Next-Generation-Sequencing klären Herkunft, Verwandtschaftsverhältnisse und soziale Strukturen; der potenzielle Nachweis pathogener DNA könnte zudem Krankheitsereignisse mit dem Wandel der Bestattungspraktiken in Verbindung bringen.