Förderung Geförderte Vorhaben Die armenischen Drachensteine und die bronzezeitliche Nutzung des südkaukasischen Hochgebirges als Rituallandschaft

Die armenischen Drachensteine und die bronzezeitliche Nutzung des südkaukasischen Hochgebirges als Rituallandschaft

Drachensteine sind reliefverzierte, bis zu 5 Meter hohe Basaltstelen, die auf den südkaukasischen und ostanatolischen Sommerweiden auf einer Höhe zwischen 2 000 und 3 000 Metern vorkommen.

Die Drachensteine lassen sich in typologischer Hinsicht in drei Kategorien einteilen: Typ 1 ist als Fisch rundplastisch ausgearbeitet , Typ 2 ahmt in Reliefform die Haut eines Widders nach, als wäre sie auf der Stele drapiert oder ausgebreitet, Typ 3 vereint die Ikonografien von Typ 1 und 2. Derartige Artefakte wurden bislang vor allem in den Bergen Armeniens, in Georgien und in der Osttürkei wahrgenommen und sind kulturgeschichtlich im Sinne eines transkaukasischen Phänomens nahezu unerforscht.
Im Rahmen einer Studie, die Dr. Gilibert 2012/13 durchgeführt hat und die zwei Prospektionen und eine Pilotgrabung im Geghma-Gebirge und Berg Aragaz (Armenien) umfasste, konnte gezeigt werden, dass die dort aufgefundenen Drachensteine offenbar im Zusammenhang mit bisher unbekannten Ritual- und Grabplätzen stehen, die sich wiederum in landschaftlich eingesenkten Wiesen zwischen 2 000 und 3 000 Metern Höhe befunden haben. Typologische Untersuchungen und die vorläufige Auswertung der Keramikfunde legen eine Datierung der Fundplätze in die mittlere und späte Bronzezeit nahe (1 800-1 500 v. Chr.), als der Südkaukasus einen starken Anstieg pastoraler Wirtschaftsformen zu verzeichnen hatte. Es konnte gezeigt werden, dass die Stelen in künstlich gesetzten Steinkreisen arrangiert waren und allesamt im Kontext von monumentalen Ritualplätzen in landschaftlich „verdeckter“ Hochgebirgslage standen. Mit den neu entdeckten Fundplätzen lassen sich nun die rituellen Praktiken im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Ansprüchen bei den mobilen Viehzüchtern in hochgelegenen Randlandschaften exemplarisch untersuchen.
Auf der Grundlage dieser Voruntersuchungen setzt Dr. Gilibert im Gebiet von Karmir Sar am Berg Aragaz (2800 m Höhe) ihre Studien nun fort, wobei mindestens zehn monumentale Drachenstelen in dichter Streuung und direktem Zugang zu Gräbern und Steinarchitekturen reiche Erkenntnisse erwarten lassen. Das Projekt verspricht  Aufschluss über die bronzezeitliche Erschließung der südkaukasischen Hochgebirgslandschaft als „locus“ von Ritualpraktiken zu gewinnen und damit eine Lücke in der Forschung zu schließen.

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