Didymus against the Manichaeans: Genesis, Transmission and Posterity of a Neglected Anti-Manichaean Refutation
Ziel des im Bereich Gräzistik, Philosophie und Theologie angesiedelten Projekts ist es, zu zeigen, dass die Schrift „Gegen die Manichäer“, die unter dem Namen des Didymus von Alexandria (ca. 313–398) überliefert ist, authentisch ist und ein neues Licht auf Didymus als Polemiker wirft.
Didymus war Lehrer in der Katechetenschule von Alexandria. Zu seinen Schülern zählten unter anderen Hieronymus und Rufinus von Aquileia. Er war Anhänger von Origenes und kämpfte entschieden gegen die Ansichten der Arianer und der Manichäer. Zu seinen erhalten gebliebenen Schriften gehören „De Trinitate“, „De Spiritu Sancto“, „Adversus Manichaeos“ sowie Anmerkungen und Auslegungen zu verschiedenen biblischen Büchern.
Dr. Danezan geht von der Hypothese aus,
- dass Didymus keine Kenntnisse aus erster Hand über den Manichäismus hatte und dass seine „Widerlegung“ daher im Kontext der grundsätzlichen Auseinandersetzung des Christentums mit Häresien zu interpretieren ist;
- dass Didymus sich literarisch auf bereits existierende dualistische Argumente stützt und an die christliche Praxis der rationalen Widerlegung durch Syllogismen anknüpft;
- dass die Schriften des Didymus in byzantinischer Zeit aufgegriffen wurden, zuerst im 6. Jahrhundert von einem gewissen Johannes dem Grammatiker und dann im 9. Jahrhundert in einer anonymen antimanichäischen Sammlung, die dem Patriarchen von Konstantinopel, Photius I., zugeschrieben wird und die in der Auseinandersetzung mit den häretischen Paulizianern eingesetzt wurde.
Dr. Danezan erarbeitet eine kritische Ausgabe von Didymus´ Schrift „Gegen die Manichäer“, inklusive Einleitung, Kommentar, Übersetzung und Überlieferungsgeschichte in der Buchreihe Sources Chrétiennes (Cerf). Darüber hinaus sollen Aufsätze verfasst werden, etwa über die antimanichäische Schrift „Enarratio in epistulas catholicas“ von Didymus, deren Originalität in der Forschung teilweise bestritten wird; über die offene Frage, ob es eine „reale“ Interaktion zwischen Didymus und den Manichäern gegeben hat; über die Praxis der Widerlegung von häretischen Anschauungen durch Syllogismen in der christlichen Literatur der ersten Jahrhunderte (u. a. Marcion, Aëtius von Antiochien, Gregor von Nyssa); über die Rezeption der antimanichäischen Schriften des Didymus in den theologischen Auseinandersetzungen im Frühbyzantinischen Reich.