Funding Funded Projects Der Architekturdekor von Emporion. Untersuchungen zum Baudekor der griechischen und römischen Stadt

Der Architekturdekor von Emporion. Untersuchungen zum Baudekor der griechischen und römischen Stadt

Aus historischer Sicht nimmt Emporion eine Sonderstellung ein, da es die einzige Stadt auf der iberischen Halbinsel ist, die sowohl von Griechen als auch von Römern besiedelt wurde und in der Monumentalbauten aus der römisch-republikanischen Zeit nachweisbar sind (ca. 200–30 v. Chr.).

Die an der iberischen Nordostküste des Mittelmeers gelegene Stadt Emporion (Ampurias) wurde am Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. durch grie­chische Kolonisten gegründet und war in den folgenden Jahrhunderten Dreh- und Angelpunkt im iberisch-grie­chischen Kultur- und Handelstransfer. Ab dem Zweiten Punischen Krieg (219–202 v. Chr.) wurde die Hafenstadt dann Ausgangpunkt zunächst für die römische Erobe­rung und dann – ab dem 1. Jahrhundert  v. Chr. – für die Roma­nisierung der iberischen Halbinsel. Aus historischer Sicht nimmt Emporion eine Sonderstellung ein, da es die ein­zige Stadt auf der Halbinsel ist, die sowohl von Griechen als auch von Römern besiedelt wurde und in der Monu­mentalbauten aus der römisch-republikanischen Zeit nachweisbar sind (ca. 200–30 v. Chr.). Obwohl sich an Ort und Stelle Urbanistik und Architektur vom Ende der archaischen Zeit bis in die hohe Kaiserzeit verfolgen lassen (6. Jahrhundert v. Chr.–3./4. Jahrhundert n. Chr.), ist sowohl die griechische als auch die römische Bauornamentik Empo­rions – ganz im Gegensatz zu anderen antiken Städten und Landschaften auf der iberischen Halbinsel – bislang kaum erforscht worden.

Prof. Marzoli arbeitet im Rahmen der Studie am Beispiel des Architekturdekors die kulturge­schichtliche Bedeutung Emporions für den westlichen Mittelmeerraum in griechischer und römischer Zeit her­aus. Ausgangspunkt sind die dekorierten Architekturteile, die während der einhundertjährigen Grabungs­geschichte freigelegt und dokumentiert, bislang aber nur teilweise publiziert worden sind. Dazu zählen u. a. profi­lierte Schmuckleisten, Wandverkleidungsplatten, Säu­lenbasen, Pilasterschäfte, Kapitelle (dorisch, ionisch, korinthisch und gemischte Formen), Gebälkteile (Ar­chitrave, Gesimse, Geisa) und Antefixe (Stirnziegel), deren Datierungen auf typologischen und stilistischen Überlegungen basieren und durch Baukontexte abgesi­chert werden können. Die Architekturglieder können entweder öffentlich-repräsentativen Großbauten, da­runter griechische Heiligtümer, Agora und römisches Forum, oder privaten Wohnarealen zugeordnet werden und sind für die Rekonstruk­tion des Stadtbildes und der Stadtgeschichte nicht zu­letzt deshalb von großer Bedeutung, weil ihre Qualität, Motivvielfalt und Verbreitung Rückschlüsse auf Phasen wirtschaftlicher Blüte einerseits und Stagnation anderer­seits zulassen.

Während vergleichbare Studien zu anderen antiken Städten sich auf spezielle Architekturteile oder auf be­stimmte architektonische Schmuckmotive beschränkt haben, geht es hier darum, sämtliche in Empo­rion vertretene Bau- und Dekorelemente epochenüber­greifend zu analysieren. Ausgehend von den bereits im Grabungsgebiet sowie im zuständigen Museu d’Arqueologia d’Empúries und in den lokalen Grabungs­magazinen gesichteten Architekturgliedern geht es zunächst darum, spezifische Charakteristika der Architekturdekoration anhand der Originale und der vorhandenen Grabungsbücher herauszuarbeiten, zu beschreiben, ggf. zu zeichnen und katalogartig zusam­menzufassen. Dabei finden die in bisherigen Publikatio­nen der Stücke unberücksichtigt gebliebenen Stuckreste genauere Beachtung.

Im zweiten Schritt werden die er­mittelten Eigenschaften der Bauteile mit den Architek­turgliedern benachbarter Städte aus der römischen Provinz Hispania Tarraconensis verglichen. Insbe­sondere ist zu klären, ob der Baudekor in Emporion durch die Provinzhauptstadt Tarraco beeinflusst worden ist und inwieweit er sich von den dekorativen Elementen der benachbarten römischen Provinzen (Baetica und südliche Gallia Narbonensis mit der Hauptstadt Narbo) unterscheidet bzw. regionale Eigenheiten ausgebildet hat. Aufgrund ihrer Normierung in Aufbau und Dekor lassen sich die Architekturteile mit denen der Nachbarstädte und der Nachbarre­gionen effizient vergleichen. Nach erster Durchsicht des Materials zeichnet sich ab, dass der Schwerpunkt der Untersuchung auf der römisch-republikanischen Zeit (ca. 200–30 v. Chr.) liegen wird.

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