Funding Funded Projects Das „schöne Antlitz“ der Völkerrechtswissenschaft im Dritten Reich? Die Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht 1933-1944

Das „schöne Antlitz“ der Völkerrechtswissenschaft im Dritten Reich? Die Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht 1933-1944

Ziel des Projekts ist die historische Aufarbeitung der Publikationstätigkeit der Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht (ZaöRV) in der Zeit von 1933 bis 1944 durch das Heidelberger MPI selbst, das die Zeitschrift herausgibt. Dr. Stendel ist als deren Schriftleiter tätig, während Dr. Dören die Rolle des Redakteurs für Buchrezensionen innehat.

Im Zeitraum von 1933 bis 1944 erschienen in der ZaöRV einerseits noch in geringem Umfang Beiträge jüdischer Autoren bzw. Rezensionen ihrer Werke, andererseits wurden aber auch häufig regimeunterstützende Beiträge veröffent­licht. Die Zeitschrift war also weder „Triebfeder des NS-Denkens noch Hort des Widerstandes“; sie präsentierte ein breites Spekt­rum (völker)rechtswissenschaftlicher Argumentationen.

Im Gegensatz zur sonstigen Auseinandersetzung der Rechtswissenschaft mit dem NS-Unrecht fehlt es daran im Bereich des Völkerrechts. Einschlägige Monographien oder Hand­bücher gibt es nicht; die zentralen deutschen Völker­rechtslehrbücher sparen die Epoche gänzlich aus. Seit 2021 ist die Behandlung der NS-Zeit in der Juristenausbildung verpflichtend, was die Projektleiter begrüßen, da sie Juristinnen und Juristen dafür sensibilisiere, „wie schnell politische Mehrheiten und willige Juristen vermeintlich neutrales Recht zu einem Unrechtsinstrument umfunktionieren können“.

Dr. Dören und Dr. Stendel liegen zahlreiche, teils noch unveröffentlichte Primärquellen vor, die das Profil der Zeitschrift auch anhand der Ziele der rund um die Zeitschrift handelnden Akteure beschreiben. Anhand dieser Quellen werden der Re­daktionsprozess, die Finanzierung der Zeitschrift und de­ren Liefergebiete näher ergründet. Es gibt Anhalts­punkte dafür, dass die ZaöRV ab Kriegsbeginn nicht mehr in die USA, womöglich sogar überhaupt nicht mehr ins Ausland gelangte, was die Funktion der Zeitschrift zu einem rein innerstaat­lichen Medium veränderte.

Bislang ist die ZaöRV meist nur anhand von einer Hand­voll prominenter Beiträge aus dem Untersuchungszeit­raum bewertet worden, auf deren Grundlage frühere Au­toren die Publikationstätigkeit der Zeitschrift als recht wenig durch die Eingriffe der Nationalsozialisten belastet eingestuft hatten. Dr. Dören und Dr. Stendel wollen jedoch sämt­liche 125 Aufsätze zwischen 1933 und 1944 einbeziehen, ebenso wie alle Buchrezensionen, Einordnungen ein­schlägiger Entwicklungen im Bereich der Rechtspre­chung, Gesetzgebung und Völkerrechtskodifikation sowie den unkommentierten Abdruck völkerrechtlich relevanter Materialien.

Dr. Dören und Dr. Stendel verorten ihr Pro­jekt an der Schnittstelle zwischen Rechts- und Ge­schichtswissenschaft, indem das Profil der ZaöRV mittels einer rechtsinternen Analyse ihrer Veröffentlichungen er­fasst wird und die Ziele der Akteure rund um die Zeitschrift auf Quellenbasis nachgezeichnet werden. Punktuell wird die ZaöRV mit anderen deutschen und amerikanischen Völker­rechtszeitschriften verglichen, um zu untersu­chen, inwieweit die ZaöRV hierbei heraussticht und was sie konkret von anderen Zeitschriften der Epoche unter­scheidet.

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