Funding Funded Projects Das kaiserzeitliche Schiffswrack Protitei A

Das kaiserzeitliche Schiffswrack Protitei A

Gegenstand der Untersuchung ist die archäologische Untersuchung eines Schiffswracks aus der römischen Kaiserzeit, das in rund 4 m Tiefe, etwa 820 m südwestlich vom rumänischen Gura Portiței im Schwarzen Meer im Jahre 2016 gefunden wurde.

Das zu etwa 95 Prozent erhaltene Schiff wurde im Rahmen eines Ko­operationsprojekts zur Erforschung des Küstenbereichs der antiken Stadt Argamum entdeckt, an dem neben den rumänischen Behörden auch die Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie und die Universität München beteiligt waren. Die Ergebnisse der projektvorbereiten­den Survey- und Grabungskampagnen der Jahre 2016 bis 2018 haben zeigen können, dass das rund 17x5 m große Schiff in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. vor der Küste der römischen Provinz Moesia inferior gesunken ist, vermutlich in einem schnell heraufziehenden Sturm. Zwar ist das Schiff voll beladen gewesen, jedoch be­stand die Schiffsladung aus leeren Amphoren. Ein in situ erhaltener Leerguttransporter dieser Zeit stellt ein abso­lutes Unikum dar. Zudem bietet das geborgene botani­sche Material zahlreiche Möglichkeiten, ungeklärte Fra­gen – etwa zum Konstruktionsort des Schiffs und zum Ausgangs- und möglicherweise auch zum Zielhafen – mit naturwissenschaftlichen Methoden zu beantworten.

Um den Standort der Werft bzw. der Herkunftsregion des Schiffs enger eingrenzen zu können, werden dendrochronologische Vergleichsstudien mit Probenma­terial aus der Nordosttürkei, dem Raum um Thasos (Ägäis) und der Region zwischen Bulgarien und Rumäni­en durchgeführt. Sodann werden die im Wrack ge­fundenen Ballaststeine mit Probenmaterial aus Bulgari­en, Rumänien, der Türkei und Griechenland verglichen, um über die Zusammensetzung der Ballaststeine auf die Herkunft des Schiffes oder den Ort einer zusätzlichen Ballastaufnahme schließen zu können. Die Untersuchung des Ballastmaterials hat in der Forschung bisher kaum eine Rolle gespielt, obwohl diese Objektgattung gerade für die Rekonstruktion der Heimathäfen oder etwaiger Stopps großes Potenzial mit sich bringt.

Um weitere Aufschlüsse zu Schiff und Besatzung zu gewinnen, untersucht Prof. Ortisi die aus dem Wrack geborgene Gebrauchs- und Feinkeramik und versucht, über die Analyse der Inhaltsreste eines Tongefäßes aus dem Bereich der Kombüse Rückschlüsse auf die Ver­pflegung an Bord zu ziehen. Mit Hilfe von XRF-Analysen werden ferner die Amphoren, in denen die Ladung ehe­mals transportiert worden war, chemisch analysiert. Lassen sich die Produktionszentren der Amphoren chemisch voneinander abgrenzen und welche Rück­schlüsse lassen sich daraus auf die unterschiedlichen Varianten desselben Amphoren-Typs ziehen? Sodann soll die Frage beantwortet werden, woher die Haupt­ladung ursprünglich kam und wie sich die Amphoren des Typs Sin Vnukov IVC/1-2 chronologisch weiter eingren­zen lassen. Anhand eines Amphorenfußfragments, an dem Reste der ursprünglichen Befüllung nachweisbar sind, möchte Prof. Ortisi zeigen, welcher Wein welcher Rebsorten in den Amphoren ehemals transportiert wurde und wo die Reben vermutlich angebaut wurden.

Neben der Analyse des Ballastmaterials wird ein weiterer, bisher kaum berücksichtigter Ansatz verfolgt. Dabei geht es um die Entwicklung der Muschellarven der Gattung Mytillus Gallo Provincialis (Miesmuschel) inner­halb eines Seils, welches nahe beim Mast geborgen wurde. Möglicherweise könnte sich daraus ein Hinweis auf die Zeitspanne ergeben, in der das Seil zu­letzt mit dem Meerwasser in Kontakt kam. Da die Mu­schellarven zum Zeitpunkt der Havarie bereits abgestor­ben waren, könnte dies auf mögliche Liegezeiten schlie­ßen lassen. Zu den interdisziplinären Zielen des Projekts gehört auch die Erstellung einer Heat Map zu den Sedi­mentationsprozessen rund um das Wrack, wobei über die Messung der Ganglängen des Schiffsbohrwurmes einiger Bauteile mittels Röntgenaufnahmen festgestellt werden soll, wann genau und wie lange einige Bautei­le dem Meer direkt ausgesetzt waren und welche Berei­che erst später durch Erosionsprozesse freigelegt wurden.

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