Cutting Public Occupational Disability Insurance: The Effects on Overall DI Inflows and Outflows, Labor Market Outcomes, Social Insurance Substitution, and Houshold Consumption
Das optimale Design von Sozialversicherungssystemen bildet schon lange einen wichtigen Gegenstand in den Wirtschaftswissenschaften.
Ein empirischer Befund beim Vergleich solcher Systeme in verschiedenen Ländern lautet, dass die gesetzliche Sozialversicherung in allen OECD-Staaten mindestens die drei Zweige Arbeitslosenversicherung, Unfallversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung umfasst, und dass sich Design und Struktur jeweils sehr ähneln. Dies deutet auf eine gute Übertragbarkeit von Erkenntnissen von einem Land auf andere Länder hin.
Vor diesem Hintergrund werden im Rahmen dieses Projekts die kurz- und langfristigen Folgen einer umfassenden Reform der Berufsunfähigkeitsversicherung in Deutschland untersucht. Vor der Reform war ein wichtiges Kriterium für den Bezug von Leistungen, dass ein Arbeitnehmer seine bisherige berufliche Tätigkeit nicht mehr ausüben konnte. Seit der Reform hatten Kohorten, die nach 1960 geboren wurden, dagegen nur noch einen Anspruch auf Leistungen, wenn sie keinerlei Beruf mehr ausüben konnten.
Die Projektbeteiligten analysieren, wie die Reform die folgenden Größen beeinflusst hat: Zu- und Abgänge von Leistungsempfängern in der Berufsunfähigkeitsversicherung, Arbeitsmarktergebnisse, Zugänge zu anderen Sparten der Sozialversicherung, sowie Konsum und Ausgaben der Haushalte.
Das Vorhaben gliedert sich entsprechend in vier Teile:
Ausgehend von einer Vorstudie mit aggregierten, öffentlich zugänglichen Daten wird untersucht, wie sich Zu- und Abgänge von Leistungsempfängern aufgrund der Reform verändert haben. Dabei werden die detaillierteren administrativen Mikro-Daten der Deutschen Rentenversicherung genutzt. Eine zusätzliche Datenquelle bietet die Versicherungskontenstichprobe, die mehr Details über einzelne Versicherungsverläufe enthält.
Im zweiten Teil des Vorhabens werden die Mikrodaten genutzt, um den Effekt der Reform auf langfristige Arbeitsmarktergebnisse zu bestimmen. Konkret wird analysiert, wie marginale Versicherte, die nach der Reform keine Leistungen mehr erhielten, hinsichtlich ihres Arbeitsangebots auf die Reform reagiert haben. Außerdem werden die kurz- und langfristigen Effekte auf Arbeitseinkommen und Arbeitsplatzwechsel je nach Beschäftigungssektor untersucht.
Im dritten Teil befasst sich das Projektteam mit Substitutionseffekten in Bezug auf andere Sparten der Sozialversicherung. Insbesondere wird ermittelt, welche Auswirkungen die Reform auf die individuelle Entscheidung hat, sich arbeitslos zu melden und Arbeitslosenunterstützung zu erhalten, sich langfristig krank zu melden, an einer medizinischen oder beruflichen Wiedereingliederungsmaßnahme teilzunehmen oder Sozialhilfe zu beziehen. Auch langfristige Effekte, etwa die Entscheidung zum Eintritt in den Ruhestand, werden einbezogen.
Im vierten Teil werden Konsumdaten aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) genutzt, die für die Jahre 1993, 1998, 2003, 2008, 2013 und 2018 vorliegen, um zu untersuchen, wie von der Reform betroffene Menschen ihre Haushaltsausgaben und ihren Konsum angepasst haben.