Charcoal Chronicles: Timber, Orchards, and Resilience in Kinet Höyük (Türkiye) from 2800 BC to Medieval Times
Die im Südosten Kilikiens gelegene Ausgrabungsstätte Kinet Höyük, die mit der antiken Hafenstadt Issos in Verbindung gebracht werden konnte, war zwischen 1992 und 2012 Gegenstand umfangreicher archäologischer Untersuchungen.
Dabei wurden zunächst die Schichten der frühen Bronzezeit (2800–2000 v. Chr.) mit einem Wohngebiet und einer Befestigungsmauer systematisch freigelegt. Um 2600 v. Chr. scheint die Siedlung im Zuge eines aufkommenden Fernhandels umstrukturiert worden zu sein. So konnte an der Stelle, wo zuvor noch Wohnhäuser gestanden hatten, eine Mülldeponie und ein administrativer Lagerkomplex nachgewiesen werden, der über mehrere Jahrhunderte hinweg genutzt wurde. In der Folgezeit wurde die Siedlung wiederholt zerstört, um dann von unterschiedlichen Bewohnern wieder in Besitz genommen zu werden. So haben sich in den verschiedenen Zeitschichten unterschiedliche Kulturen eingezeichnet, wobei manche nur vorübergehend, andere wiederum über Jahrhunderte blieben. Funde und Befunde – Keramik, Befestigungsmauern, Gebäude etc. – offenbaren u. a. hethitische, assyrische und persische Einflüsse. Nachdem Alexander der Große die Perser 333 v. Chr. bei Issos geschlagen hatte, ist der Ort stark verändert worden, bevor er dann 50 v. Chr. für mehr als 1000 Jahre verlassen wurde. Erst im späten 12. Jahrhundert, während der Kreuzfahrerzeit, wurde der Ort wieder als Hafenstadt genutzt.
Im Zuge der archäologischen Grabungen konnte eine außergewöhnlich große Menge Holzkohle aus den verschiedenen Siedlungsschichten geborgen werden. Aus mehr als 14.600 Litern Sediment konnten 510 Flotationsproben mit rund 120.000 Holzkohlefragmenten gesichert und sorgfältig präpariert werden. Der Fundkomplex, der an der Universität Tübingen aufbewahrt wird, ist Gegenstand dieser Studie. Bei der Untersuchung werden erstmals anthrakologische Daten aus der Türkei systematisch erfasst und in einer Datenbank zusammengeführt. Ausgehend von der Erkenntnis, dass Holzkohleproben aus archäologischen Horizonten repräsentativ für das Auftreten von Holzpflanzen im Untersuchungsraum für die Zeit des untersuchten Horizontes sind, kann über die anthrakologische Untersuchung der Holzkohlefragmente auf Vegetationszusammensetzung, Klima und menschliche Anpassungsfähigkeit im Wandel der Zeit geschlossen werden.
Mit Blick auf die Fundstelle rücken zwei zentrale Ressourcen in den Fokus, Edelhölzer aus dem nahegelegenen Amanus-Gebirge sowie Oliven-, Weintrauben- und andere Obstbäume in Kinet Höyük, die über die gesamte Siedlungsdauer mehr oder weniger genutzt bzw. ausgebeutet wurden und die für die Entfaltung politischer, wirtschaftlicher und kultureller Dynamiken von entscheidender Bedeutung waren.
Durch die gründliche Untersuchung dieser zentralen Ressourcen werden neue Erkenntnisse über die Widerstandsfähigkeit lokaler Gemeinschaften angesichts mehrerer Dürreereignisse und einer sinkenden Jahresdurchschnittstemperatur zwischen 2000 und 500 v. Chr. erwartet. Wie reagierten die Menschen auf diese Veränderungen? Gibt es Hinweise auf die Bewässerung von Obstbaumkulturen als Reaktion auf die zunehmende Trockenheit? Wie nachhaltig wurde gewirtschaftet, wie wurde die Waldvegetation in der Küstenebene genutzt und welchen Einfluss hatten nicht ortsansässige Hirtenvölker auf die Vegetation? Hat es einen Artenverlust im Laufe der Zeit gegeben, bzw. irreversible Artenveränderungen durch Entwaldung etc.?