Förderung Geförderte Vorhaben Bisenzio (Capodimonte, VT ‒ Italy) between the Bronze and the Archaic Age: a capital node connecting dynamic networks in South Etruria

Bisenzio (Capodimonte, VT ‒ Italy) between the Bronze and the Archaic Age: a capital node connecting dynamic networks in South Etruria

Lassen sich bei den Bestattungspraktiken Einflüsse aus anderen Zentren Südetruriens nachweisen, und muss die Dynamik der materiellen Kultur und der sozialen Zusammenhänge überdacht werden? Wann und inwieweit haben sich Siedlung und Grabflächen seewärts ausgebreitet, wann und zu welchem Zweck wurde der Hafen gebaut und welche Funktionen lassen sich den Siedlungsgebieten zuweisen, die sich heute unter der Seeoberfläche befinden?

Obwohl Bisenzio zwischen dem 10. und frühen 5. Jahr­hundert v. Chr. ein wichtiger Knotenpunkt in Südetrurien war, ist der besiedelte Hügel am Südwestufer des Lago di Bolsena erstmals durch das unlängst durchgeführte und von Dr. Babbi koordi­nierte Projekt, das im Zeitraum 2015–2017 von der DFG gefördert wurde, erstmals systematisch erforscht worden. Die Ergebnisse der Studie haben die Erwartungen bei weitem übertroffen. So konnten im Zuge der geophysikalischen Prospektionen (104 ha) ein System von Haupt- und Nebenstraßen, Überreste eines Wohngebietes und mehr als 140 Grabhügel nachgewiesen werden. Zudem hat man den Fundbestand sowohl der wichtigsten Nekropole (Olmo Bello) als auch der bislang einzigen Siedlungsgrabung weitestgehend erfassen und fünf weitere Grabstätten an einer Stelle lokalisieren können, an der man bis vor kurzem noch ein Siedlungsareal aus der Eisenzeit vermutete. Der überraschende Fund stellt das geläufige theoretische Modell in Frage, wonach davon ausgegangen wurde, dass in protourbanen Siedlungen zwischen Wohngebieten und Grabstätten stets klar unterschieden wurde. Darüber hinaus konnten wichtige Erkenntnisse zu Siedlungsentwicklung und Funktion einzelner Gebäude gewonnen, Wechselbeziehungen zu Nachbarsiedlungen und Umland nachvollzogen sowie erstmals ein archäolo­gischer Kontext in situ auf der Seesohle vor dem Monte Bisenzio ausgemacht werden. Das etruskische Leben blühte demzufolge nicht nur auf der Höhensiedlung, sondern auch auf den benachbarten Feldern und entlang der inzwischen unter Wasser stehenden Uferzone des Sees.

Aufbauend auf diesem Projekt setzt Dr. Babbi die archäologischen Forschungen im Umfeld des etruskischen Zentrums nun fort und versucht, mit­tels Feldbegehungen den räumlichen Zusammenhang zwischen der Siedlung und den Grablegen abschließend zu klären. Minimalinvasive Sondierungen innerhalb des Siedlungsgebietes sollen helfen, die aus den geophysika­lischen Prospektionen gewonnenen Erkenntnisse zu chronologisieren, wobei die rund 7 m unter Wasser stehenden Fund- und Siedlungskontexte im Uferbereich einbezogen werden.

Um die übergreifenden Forschungsfragen nach Charak­ter, Entwicklung und Niedergang der Siedlung be­antworten zu können, muss Grundsätzliches geklärt werden. Zentral ist die Frage, ob sich die Siedlung vom Hügel aus allmählich nach unten ausgebreitet und die in der Ebene verstreuten Häuser schließlich eingeschlossen oder aber ob es sich von Anfang an um eine große, ungleichmäßig zusammengesetzte Siedlung gehandelt hat. Lassen sich bei den Bestattungspraktiken Einflüsse aus anderen Zentren Südetruriens nachweisen, und muss die Dynamik der materiellen Kultur und der sozialen Zusammenhänge angesichts der im Vorgängerprojekt gewonnenen Er­kenntnisse überdacht werden? Wann und inwieweit haben sich Siedlung und Grabflächen seewärts ausge­breitet, wann und zu welchem Zweck wurde der Hafen gebaut und welche Funktionen lassen sich den Siedlungsgebieten zuweisen, die sich heute unter der Seeoberfläche befinden?

Die zu erwartenden Erkenntnisse der Untersuchung dürften das Verständnis der etruski­schen Siedlung auf eine neue Grundlage stellen, das geläufige Interpretationsmodell, das von einer strikten Trennung von Wohnen und Bestatten ausgeht, ins Wanken bringen und die protohistorischen Netzwerkver­bindungen in Südetrurien verständlicher machen. Zudem kann das Projekt dazu beitragen, die Zeugnisse des kulturellen Erbes, die durch das tiefe Pflügen der Felder zutage befördert und durch Raubgräber entwendet werden, für die Nachwelt zu sichern.

Newsletter Anmeldung

    Ich bin mit der Speicherung meiner Daten gemäß unseren Datenschutzhinweisen einverstanden.

    Newsletter Abmeldung