Begegnungen und Gedenken im Kult: Zum Dekorationsprogramm in der spätzeitlichen Grabanlage des Monthemhet (TT 34) in Theben-West/Ägypten
Bei der Grabanlage handelt es sich um eine der größten, die im alten Ägypten für eine Privatperson errichtet worden ist. Mit ihren Ausmaßen von etwa 130 m Länge und einer Breite von rund 50 m umfasst sie mehr als 60 Räume.
Prof. Gestermann erforscht bereits seit 2012 mit Fördermitteln der Stiftung das Dekorationsprogramm im nördlichen Bestattungstrakt der Grabanlage des Monthemhet mit der Sargkammer sowie eines weiteren in sich geschlossenen Abschnitts, der sich im zentralen Bereich der Anlage befindet und den zweiten Hof, den dahinterliegenden Querraum, die anschließende Längshalle und die von dort aus zugänglichen Seitenkapellen umfasst. Im Rahmen dieses Projekts geht es nun darum, den vorderen öffentlichen Bereich der Grabanlage zu untersuchen, in dem ungefähr ein Drittel des gesamten Dekorationsprogramms zu finden ist, und die dort bereits freigelegten und magazinierten Funde wissenschaftlich zu bearbeiten und für die Publikation vorzubereiten. Dabei werden alle relevanten Bereiche aufgenommen, die Wandflächen fotografiert und in Zeichnungen übertragen, die hieroglyphischen Texte abgeschrieben und die Darstellungen beschrieben. Darüber hinaus wird die Architektur als Träger der Dekoration aufgenommen, beschrieben und vermessen. Für die sich anschließende formale und inhaltliche Einordnung der identifizierten Texte und Bilder wird die Frage nach Parallelen im Grabbau spätzeitlicher Nekropolen geklärt, wobei Umschriften, Übersetzungen und philologische bzw. inhaltliche Kommentare angefertigt werden. Zudem werden die vorliegenden bzw. in den Magazinen der Altertümerverwaltung lagernden Funde aus dem vorderen Bereich der Grabanlage dokumentiert, fotografiert, beschrieben und – je nach Fundart – in den Gesamtkontext eingeordnet.
Monthemhet war Bürgermeister in Theben und lenkte die Geschicke der Stadt in überaus krisenreichen Zeiten; er begann seine Karriere unter den beiden letzten Herrschern der 25. Dynastie, behielt seine Funktion während des assyrischen Vorstoßes bei und blieb auch unter Psametich I., dem Begründer der 26. Dynastie, in Amt und Würden. Bei der Grabanlage handelt es sich um eine der größten, die im alten Ägypten für eine Privatperson errichtet worden ist. Mit ihren Ausmaßen von etwa 130 m Länge und einer Breite von rund 50 m umfasst sie mehr als 60 Räume. Nur wenige Räume sind ohne Dekoration geblieben. Zudem weist das Text- und Bildprogramm eine enorme Breite auf und gibt Einblick in eine bis zu 1500 Jahre alte Tradition funerärer Literatur. Dem zeitlichen Trend folgend sind für die Dekoration nicht nur damals aktuelle Texte und Bildvorlagen genutzt worden, sondern auch solche, die bereits viele hundert Jahre zuvor in Gebrauch waren und nunmehr aus den Archiven hervorgeholt und bei der Entstehung des Dekorationsprogramms berücksichtigt wurden. Der auf diese Weise erfolgte Rückgriff stellt sich im Grab Monthemhets umfangreicher dar als in anderen Grabanlangen der Zeit, sodass der dabei offenbar verfolgte „Archaismus“ eine besondere Rolle eingenommen zu haben scheint.