Funding Funded Projects Aushandlungen von Geschlecht und Klasse in den Novellen und Dramen Adelheid Reinbolds (1800-1839)

Aushandlungen von Geschlecht und Klasse in den Novellen und Dramen Adelheid Reinbolds (1800-1839)

Trotz eines derzeit verstärkten Interesses der Philologien an nichtkanonisierten weiblichen Stimmen ist Adelheid Reinbold (1800─1839) in der Germanistik bis heute nahezu völlig unbekannt. Dr. Heller möchte sie mit diesem Projekt in die feministische Literaturgeschichte und Intersektionalitätsforschung einbringen.

Unverheiratet und zeitlebens zur finanziellen Unterstüt­zung ihrer Herkunftsfamilie beitragend, war Reinbold in den 1830er Jahren Teil des Kreises um Ludwig Tieck in Dresden, der sie förderte. Sie veröffentlichte Novellen und ca. 60 literatur- und zeitkritische Besprechungen unter dem Pseudonym Franz Bertold. Nach ihrem frühen Tod an Diphterie publizierte Tieck einen historischen Roman und gesammelt ihre zwölf Novellen und lüftete ihr Pseudonym. Auch ein Gedichtband erschien posthum.

Reinbolds Werk reagiert auf die instituti­onelle Krisenzeit des politischen Vormärz, indem sie die Handlungsräume weiblicher Identität unter emanzipato­rischem Vorzeichen neu vermisst (mit Romanen George Sands und Madame de Staëls setzt sie sich in theoreti­schen Betrachtungen auseinander). Zudem überschreitet sie die gängigen Gender-Genre-Zuordnungen ihrer Zeit, indem sie auf die „männlich codierte“ Gattung des Dramas – und speziell des politischen Geschichtsdramas – ausgreift. Einschlägig ist hier ihr Revolutionsstück „Masaniello“ über den Volksaufstand in Neapel von 1647, verfasst nach der Julirevolution und nie publiziert. Sogar das Manuskript galt lange als verschollen; aber Dr. Heller fand es im Bibliothekskatalog der Yale University verzeichnet und ediert es nun als Forschungsgrundlage.

Des Weiteren ist Reinbolds Werk inso­fern beachtlich, als sie die intersektionale Relation (avant la lettre) von Geschlecht, Klasse und Ethnizität in immer neuen Konstellationen auslotet, dabei zwischen konservativen und liberalen Positionen zur Geschlech­ter- und Klassenpolitik vermittelt und emanzipatorische Forderungen aus dem Versagen der Institutionen von Kirche, Staat und Familie begründet.

Dr. Heller verfolgt drei Ziele: Das „Masaniello“-Manuskript wird nach aktuellen Standards historisch-kritischer Ausgaben publiziert. Ein Nachwort wird intertextuelle Bezüge (vor allem die Stoffgeschichte) und die politischen Anspielungen erhellen und den Text innerhalb des Vormärz- bzw. romantischen Dramas situieren. Mitediert wird Reinbolds Übersetzung einer italienischen Erzählung von 1648, die als Vorlage des Dramas fungierte. In mehreren Aufsätzen soll Reinbold in der Geschichte der Emanzipationsliteratur situiert werden, die sie innerhalb des Tieck-Kreises verorten und ihr Werk zu emanzipatorischen Positionen deutschsprachiger und europäischer Autorinnen der Epoche in Relation setzen.

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